Flottenverkleinerung und Germanwings-Aus
Älter als 7 Tage

Lufthansa leitet wegen Covid-19 Notsinkflug ein

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Lufthansa Boeing 747, © Lufthansa

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FRANKFURT - Lufthansa streicht ihre Flotte zusammen. Mindestens 42 Jets der Kerngesellschaft Lufthansa und der Eurowings sollen dauerhaft stillgelegt werden, wie das Unternehmen am Dienstag in Frankfurt mitteilte. Zudem werden Leasingverträge für alle angemieteten Flieger gekündigt.

Lufthansa baut in der Covid-19-Krise radikal um. Bei der Kermmarke werden sechs Airbus A380, sieben A340-600, elf A320 sowie fünf Boeing 747-400 stillgelegt. Insgesamt peilt der Konzern eine Verkleinerung seiner zuletzt 763 Flugzeuge starken Flotte um zehn Prozent an.

"Die sechs A380 waren ohnehin ab 2022 für den Verkauf an Airbus vorgesehen", erklärte der Konzern. Zusätzlich wird Lufthansa Cityline drei Flugzeuge vom Typ Airbus A340-600 aus dem Betrieb nehmen. Seit 2015 hatte die Regionalfluglinie vor allem touristische Langstreckenziele für Lufthansa angeflogen.

Eurowings wird ebenfalls die Zahl ihrer Flugzeuge weiter reduzieren. So sind im Bereich der Kurzstrecke zusätzlich zehn Airbus A320 zur Ausflottung vorgesehen. Das Langstreckengeschäft der Eurowings, das kommerziell von Lufthansa verantwortet wird, soll "ebenfalls verkleinert" werden.

"Germanwings wird beendet"

Zudem soll die bereits vor der Krise festgelegte Zielsetzung von Eurowings, den Flugbetrieb auf eine Einheit zu bündeln, nun beschleunigt umgesetzt werden.

"Der Flugbetrieb der Germanwings wird beendet", bestätigte Lufthansa, was sich in den letzten Tagen bereits abzeichnete. "Alle daraus resultierenden Optionen sollen mit den Sozialpartnern besprochen werden."

Austrian Airlines und Brussels Airlines arbeiten laut Lufthansa bereits an der Reduzierung ihrer Flotten. Swiss wird Auslieferungen verschieben. Die Passagierairlines der Lufthansa Group haben darüber hinaus bereits nahezu alle Wetlease Vereinbarungen mit anderen Fluggesellschaften gekündigt.

Lufthansa will im Zuge der "unausweichlichen Verkleinerung" einen Abbau von Arbeitsplätzen so gut es geht vermeiden. Dafür sollen mit den Sozialpartnern zügig Gespräche vereinbart werden, um unter anderem über "neue Beschäftigungsmodelle zur Sicherung von möglichst vielen Arbeitsplätzen" zu sprechen.

Scharfe Kritik von Cockpit

Bislang gibt es für die 500 Piloten und 900 Flugbegleiter der Germanwings noch keine Vereinbarung zur Kurzarbeit, so dass sie vorerst die vollen Bezüge erhalten, ohne zu fliegen. Hier sind schnelle Verhandlungen zu erwarten.

Die Gewerkschaften hatten befürchtet, dass das Unternehmen und die Jobs schnell abgewickelt werden sollten. Das sei nun keineswegs so, erklärte der Sprecher der Kabinengewerkschaft Ufo, Nicoley Baublies.

Aus seiner Sicht müsse kein einziger Flugbegleiter gehen, wenn klug über kollektive Lösungen nachgedacht und die natürliche Fluktuation genutzt werde. Für Verhandlungen stehe man zeitnah zur Verfügung.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) verurteilte die Einstellung des Germanwings-Flugbetriebs. Lufthansa habe eine fertig ausverhandelte Vereinbarung zur Kurzarbeit ausgeschlagen und offenbar die Lage genutzt, um die Umstrukturierung des Konzerns auf dem Rücken der Mitarbeiter voranzutreiben.

Gelebte Sozialpartnerschaft sehe gerade in Krisenzeiten anders aus, erklärte VC-Präsident Markus Wahl. Man erwarte Lösungen für alle Mitarbeiter im Lufthansa-Konzern.
© dpa-AFX, aero.de | Abb.: Lufthansa | 07.04.2020 17:30

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Beitrag vom 08.04.2020 - 10:39 Uhr
Ich hätte evtl. erwartet das man auch zahlreiche CRJ ausflottet, oder die gesamten A319.
Im Gegenteil. Wenn man keine Auslastung hat ist kleiner besser.

Wenn man keine Auslastung hat, dann ist Airline zumachen und was anderes tun eine viel bessere Option.
Das wäre schwarz/weiß. Alternativ könnte man ja auch das Produkt dem Bedarf anpassen und schauen wie sich etwas entwickelt. Nachsteuern oder gar schließen könnte man ja immer noch.
Fakt ist das man solche Situationen nutzen sollte um sich solide für die Zukunft aufzustellen.
Fakt ist leider auch, dass keiner in die Zukunft schauen kann. Jeder geht eine Wette ein und hofft, dass seine Nummer gezogen wird.

Alles andere sind hochkomplexe Deatilfragen die man nicht auf einen Faktor reduzieren kann und somit immer nur Kompromisse darstellen. Daher können Vergleiche hier immer nur hinken ;-)

Dieser Beitrag wurde am 08.04.2020 10:40 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 08.04.2020 - 09:25 Uhr
Wenn man keine Auslastung hat, dann ist Airline zumachen und was anderes tun eine viel bessere Option.

Fakt ist das man solche Situationen nutzen sollte um sich solide für die Zukunft aufzustellen. Die Situation vor Corona war, das kleine Teilflotten sehr komplex und uneffzient sind.
Was hat LH damit geschaffen?
Kleine Teilflotten.
Noch 8 A380.
Noch 10 A346.
Noch 8 B744.

Ja ich weiss, die betrachtung hinkt, da man ja noch 19 B748 fliegt, zahlreiche A343 und auch A333 hat, die am Ende den selben Crewpool haben.
Ich hätte mir eine deutlichere Aktion erhofft.

Auf der anderen Seite ist der Sprit aktuell so billig, das der Verbauch eine untergeordnete Rolle spielt.
Aber die meisten anderen Airlines stellen ihre Flotten auf wenige Modelle auf, nur die wirklich großen AIrlines betteiben z.b. noch beide große SA Familien.
Bei den WBs vereinheitlichen die meisten Airlines massiv auf wenigen Modellen, dagegen hat die LH weiterhin wirklich jeden WB in der Group.
Mich wundert das immer.

Das ist wohl eine Frage der Zeit. Im Augenblick hat man ja noch alles, was man für die Teilflotten braucht. Man kann auf Flieger, Crews, Mechaniker, Ersatzteile und Infrastruktur Zurückgreifen, ohne investieren zu müssen. Weitere Ausflottungen wird es geben, wenn bestellte (aber möglicherweise verschobene) A350 und B787 in den Konzern kommen. Das kann dann aber besser geplant ablaufen, als es jetzt in dieser Situation möglich ist.


Dieser Beitrag wurde am 08.04.2020 09:26 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 08.04.2020 - 09:14 Uhr
Vor Corona konnte man sagen, das muss ich mir vor Ort ansehen. Es war fast selbstverstänlich, ohne geht`s nicht. Das ist heute nicht möglich. Trotzdem läuft die Produktion weltweit noch.
Die Kommunikationsinfrastruktur wurde innerhalb weniger Tage massiv ausgebaut. Jetzt ist sie da. Damit ist es künftig wesentlich schwieriger eine Reise zu begründen. Wir beweisen ja gerade täglich, dass es ohne geht.

Sehe ich ähnlich. Viele Mitarbeiter meiner (Boomer)-Generation hatten in der Vergangenheit schlicht eine massive Scheu/Ablehnung gegenüber Video- und Telefonkonferenzen. Die lernen gerade gezwungenermaßen massiv um. Manche ehemalige Erzkritiker äußern sich da mittlerweile sogar vorsichtig positiv.
Und siehe da, es geht doch.
Nicht zuletzt weil man so Probleme mit viel geringerer Vorlaufzeit und Personalaufwand angehen kann und damit, sobald die TK Infrastruktur erstmal da ist, viel Geld sparen kann.
Und wo auch immer es ging wurde diese in den letzten Wochen hingeklotzt ...
Zudem macht es sich gut im Nachhaltigkeitsbericht...

Ich würde daher auch von einer wahrnehmbaren, bleibenden Reduktion der Geschäftreisen nach Corona ausgehen. Wie hoch diese letztendlich ausfällt, muss man abwarten.

Dieser Beitrag wurde am 08.04.2020 09:37 Uhr bearbeitet.


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