Stellenabbau
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"Airbus hat keine Erfahrung darin, sich zu verkleinern"

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Airbus Group, © Airbus

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TOULOUSE - Das Airbus-Management versucht, Personal durch freiwillige Ausstiegsprogramme zu reduzieren. Der Konzern steht unter Druck, Kosten zu senken ohne die deutsche und die französische Regierung zu verärgern. Beide haben Milliarden schwere Rettungspakete aufgelegt, um Arbeitslosigkeit in dem Sektor zu verhindern.

Das Airbus-Management werde internen Quellen zufolge zunächst versuchen, Stellen in der Produktion über vozeitigen Ruhestand und freiwillige Ausstiegsprogramme abzubauen. Analyst George Ferguson schätzt, dass das Unternehmen wegen der Covid-19-Krise einen rechnerischen Personalüberhang von bis zu 16.000 Vollzeitstellen hat.

Das Ausmaß der Krise erfodere "Entscheidungen, die im Herzen wehtun", schrieb Airbus-Chef Guillaume Faury an die Mitarbeiter. "Das bedeutet, dass wir unser Geschäft verkleinern müssen."

Seit dem Ausbruch der Krise hat Airbus-Management Finanzquellen aufgetan, die Produktion gekürzt und Produktionsmitarbeiter nach und nach Wochenweise beurlaubt. Mit einer schnellen Erholung der Nachfrage rechnet beim Management inzwischen offenbar niemand mehr. 

Zum ersten Mal in der Unternehmensgeschichte muss es in großem Maß Stellen abbauen. Das ist eine politische und gesellschaftliche Gratwanderung. Denn sowohl die deutsche als auch die französische Regierung pumpen Milliarden Euro in ihre Luftfahrtindustrie, um ihr durch die Krise zu helfen. "Wir arbeiten als Management-Team daran, die richtige Balance zu finden", sagte Faury. Bis Ende Juli sollen Mitarbeiter demnach genauere Informationen bekommen.

"Beim Personal würde ich Einschnitte in der Größenordnung der Produktionssenkung erwarten, um die 30 Prozent", sagte Analyst Ferguson. "Aber das ist politisch nicht machbar – außerdem braucht Airbus die Mitarbeiter wieder, wenn die Nachfrage wieder nazieht. Deswegen werden sie vermutlich bei einer Reduktion des Personals von um die 15 bis 20 Prozent landen."

Staatshilfen

Das 15 Milliarden Euro schweren Luftfahrtpaket der französischen Regierung beinhaltet auch Maßnahmen, die Airbus bei den Flugzeugverkäufen unterstützen sollen. 

Airbus hat auch die staatliche geförderte Möglichkeit genutzt, Mitarbeiter in Frankreich, Deutschland, Spanien und dem Vereingten Königreich in Kurzarbeit zu schicken. 

Laut Faury wird die Nachfrage nach neuen Flugzeugen frühestens 2023 wieder das Niveau von 2019 erreichen - möglicherweise aber auch erst 2025. "Nach Jahrzehnten des Wachstums ist das ein Schock", schrieb er an die Mitarbeiter.

Jeder Einschnitt bei Airbus bringt zudem die Zulieferer in Gefahr, die in erster Linie von den Aufträgen des Flugzeugbauers abhängen. Die Kürzung der Produktion um 40 Prozent "sollten erst einmal reichen", schrieb Faury. Vorausgesetzt, die Luftfahrt erholt sich in der Geschwindigkeit, wie Branchenbeobachter sie derzeit einschätzen. Jede weitere Verzögerung könnte zu weiteren Einschnitten führen.

Ende 2019 beschäftigte Airbus fast 81.000 Mitarbeiter in der Zivilflugzeusparte. "Kein Unternehmen kann in dem Maße Mitarbeiter entlassen wie es die Produktion kürzt", sagte Analyst Richard Aboulafia. "Die Sache ist noch komplizierter, weil Airbus keine Erfahrung darin hat, sich zu verkleinern - seit 30 Jahren kennen sie nur das Wachstum."
© Bloomberg, aero.de (boa) | Abb.: Airbus | 22.06.2020 09:32


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