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Boeing droht Rekordverlust wegen Corona-Krise und 737 Max

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Rollout Boeing 737 MAX-8 Prototyp, © Boeing

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CHICAGO - Das vergangene Jahr war für den US-Luftfahrtriesen Boeing eines der schwierigsten in seiner über 100-jährigen Konzerngeschichte. Zum Debakel um den Absturzflieger 737 Max kam 2020 auch noch die Corona-Krise hinzu, die den Luftverkehr zeitweise fast zum Stillstand und Boeing dadurch noch tiefer in die Bredouille brachte.

Entsprechend finster dürften am Mittwoch (13.30 Uhr MEZ) die Zahlen für das vierte Quartal und das gesamte abgelaufene Geschäftsjahr aussehen. Dem Airbus-Erzrivalen drohen ein historischer Rekordverlust und die schwächsten Erlöse seit rund 15 Jahren.

Bereits in den ersten neun Monaten 2020 lag Boeings Bilanz unterm Strich mit rund 3,5 Milliarden Dollar (2,87 Mrd Euro) im negativen Bereich und Analysten rechnen für das letzte Vierteljahr erneut mit einem milliardenschweren Fehlbetrag.

Boeing hatte bereits 2019 ein Minus von 636 Millionen Dollar verzeichnet und damit den ersten Jahresverlust seit der Fusion mit dem US-Rivalen McDonnell Douglas 1997 erlitten, die den Beginn der neueren Konzerngeschichte markiert. Für 2020 dürfte nun das mit Abstand schlechteste Ergebnis seit Boeings Unternehmensgründung im Jahre 1916 folgen.

Dabei gab es zuletzt eigentlich auch gute Nachrichten für den kriselnden US-Konzern. So erhielt Boeings Unglücksjet 737 Max im November nach mehr als anderthalbjährigem Flugverbot endlich wieder eine Starterlaubnis der US-Luftfahrtbehörde FAA.

Auch die europäische Flugaufsicht EASA hat bereits grünes Licht für den im März 2019 nach zwei Abstürzen mit insgesamt 346 Toten aus dem Verkehr gezogenen Jet signalisiert. Die Wiederzulassung in Europa gilt nur noch als Formsache, die in diesen Tagen vollzogen werden dürfte. Die 737 Max ist Boeings meistverkauftes Modell und wichtigster Gewinnbringer.

Dass der Flugzeugtyp während der Startverbote nicht ausgeliefert werden konnte, hat Boeing in den vergangenen beiden Jahren massiv belastet - bereits 2019 überholte Airbus den US-Konkurrenten als weltgrößter Flugzeugbauer.

Nun darf der Problemflieger zwar wieder abheben, doch die Corona-Pandemie hat die Luftfahrtbranche in eine ihrer tiefsten Krisen gebracht. Das kostet Boeing viele Aufträge - nach Angaben des Unternehmens gab es 2020 unterm Strich gut 650 Stornierungen. Insgesamt wurden sogar mehr als 1000 Bestellungen aus dem Orderbuch gestrichen, weil viele Aufträge als unsicher gelten.

Nach zwei rabenschwarzen Jahren könnte Boeing das Schlimmste aber hinter sich gebracht haben. Die Impfstoffe gegen das Coronavirus geben auch der Luftfahrt Hoffnung und trotz der vielen Stornierungen braucht sich Boeing angesichts des Luftfahrt-Duopols, durch das Kunden so gut wie keine Alternativen außer dem auf Jahre ausgebuchten Rivalen Airbus haben, keine ernsthaften Sorgen um mangelnde Bestellungen zu machen.

Zuletzt gab es auch schon wieder mehr neue Aufträge. Dennoch bleibt Boeing stark unter Druck - weitere Produktionskürzungen und Stellenstreichungen kämen kaum überraschend.
© dpa | 27.01.2021 05:35

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Beitrag vom 31.01.2021 - 16:48 Uhr
Ich würde die Aussagen von User "Nur_ein_Y_PAX" mal mit "sie sind der Politik des schnellen Geldes verfallen" Sowas passiert sonst immer wenn die Heuschrecken das Kommando übernehmen.


Wieso sonst, Calhon ist eine Heuschrecke und sass schon lange als solche im Aufsichtsrat
"2014 wechselte er von Nielsen zur Blackstone Group mit Sitz in New York. Er war dort als Senior Managing Director tätig und leitet das Portfolio Operations.
......
Beteiligungsgesellschaften wie die Blackstone Group waren im April 2005 Anlass für die Heuschreckendebatte in Deutschland. Franz Müntefering sprach damals von Finanzinvestoren als „Heuschrecken“. Im Zuge der steigenden Investitionen in Deutschland nahm der Mitgründer und derzeitige Vorstandschef der Blackstone-Gruppe Stephen A. Schwarzman darauf Bezug. Angela Merkel hatte ihn um eine Erklärung des Geschäftsmodells von Private Equity gebeten. Er erwiderte, dass er eine gute Heuschrecke sei, denn sein Unternehmen würde schlecht geführte Unternehmen retten und damit Arbeitsplätze sichern."Wikipedia




Was für mich aber wichtig ist, dass ich noch Aussage oder Tat von Boeing in den letzten 2 Jahren verspüre, dass sie das Problem erkannt haben und versuchen das Ruder rum zu reissen.
sie doktern an den Symthomen rum aber die Ursache der falschen Firmenpolitik bleibt nach wie vor unangetastet.

Mir ging es dadrum den Weg des Scheiterns nachzuzeichnen. Damit, das Boeing rein garnichts gelernt hat haben Sie vollkommen recht.

Diese Her(r)schafeten sind in Ihrer Blase aus gegenseitigen Selbstbestätigungen gefangen.
Das zeigen diverse Aussagen im aktuellen "Robinhood Komplex" überdeutlich.

@Grosse Krügerklappe.
Ich habe die übernommene MDD Führungsetage mit keinem Wort erwähnt!
Diese Boeingbeherscher mögen gegangen sein, die Schulden aus der Fusion und den Übernahmeschlachten sind aber nicht einfach in den Ruhestand gegangen.


Dieser Beitrag wurde am 31.01.2021 17:22 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 31.01.2021 - 12:37 Uhr
Ich würde die Aussagen von User "Nur_ein_Y_PAX" mal mit "sie sind der Politik des schnellen Geldes verfallen" Sowas passiert sonst immer wenn die Heuschrecken das Kommando übernehmen.

Was für mich aber wichtig ist, dass ich noch Aussage oder Tat von Boeing in den letzten 2 Jahren verspüre, dass sie das Problem erkannt haben und versuchen das Ruder rum zu reissen.
sie doktern an den Symthomen rum aber die Ursache der falschen Firmenpolitik bleibt nach wie vor unangetastet.
Beitrag vom 31.01.2021 - 11:03 Uhr
Was ist denn bei Boeing los?

Ganz einfach,
es wurden seit der Fusion Mitarbeiter abgebaut und zwar die teuren langjährigen mit Erfahrung und durch schlecht eingearbeitet Aushilfen ersetzt.
Deswegen wurde anschliessend das Qualitätsmanagment geschlliffen, da die schlechte Qualität bereits auffiel.

Dazu hat Boeing wirklich Jahrzehnte lang keine neuen Modelle entwickelt. 737/747 6ziger, 767 7ziger, 777 9ziger. Die 777 war nur so sparsam wegen den hervoragenden Triebwerken konstruktiv war Sie bereits überholt.

Danach sollte alles mit der 787 besser werden und Boeing hat sich auf viele Abenteuer eingelassen für das kein Know How aufgebaut wurde( Carbon, Zapfluftfreie TW).

Dafür wurden Frischlinge von der Uni eingestellt. Nebenbai hat Boeing den Kunden das blaue vom Himmel versprochen in Bezug auf Leistungsdaten die nicht real umsetzbar waren.

Die 787 hatte gewaltig Übergewicht, Carbon war doch nicht so leicht wie man bei Boeing geglaubt hat.Das ging soweit das die herkömmlichen Fensterverdunklungen durch schlecht abdunkelbare elektrische Verdunklungen ersetzt werden mussten um ein paar Hundert Kilo einzusparen.

Die bestehenden Reihen 737,747 wurden immer weiter hochgezüchtet bis jetzt bei der 737 überzüchtet wurde.

Die veralteten Konstruktionen mussten für immer niedrige Dumpingpreise verramscht werden um die Nachteile gegenüber den Airbusmodellen aufzuwiegen, bis bei der 737 nahezu nur noch ein niedriger 1 stelliger Millionen "Gewinn" überblieb.

Nur die schiere Menge erbrachte einen kleinen Milliardenüberschuss weil Boeing bei den Zulieferen die Daumenschrauben ansetzt, was sich in schlechter werdender Qualität niederschlug. Aber wo kein QM mehr, da geht es dann halt durch.

Daneben wurde immer mehr Outgesourced, weil es ja so schön billig war.Dabei ging noch weiteres Know How verloren.

Als die Qualität am Ende bei der 787 doch gravierende Mängel aufwiess kaufte Boeing die outgesourcten Produktionen für viel Geld zurück. Besass aber gar nicht mehr das Know How diese Produktionen wieder auf Vorderman zu bringen.

Das Geld was Jahr für Jahr eingenommen wurde ging derweil in Dividenden , Aktienrückkäufe und andere Massnahmen den Kurs zu steigern, um die Aktionäre bei der Stange zu halten und es blieb von gut 20 Jahren Gewinne nicht mehr als Brotkrummen bei Boeing.

Geld das für neue Modelle benötigt worden wäre.

Nebenbei verschuldete sich Boeing immer mehr. Dazu kommen die Altschulden von MDD und die Schulden von Boeing aus der Übernahmeschlacht.

Boeing war zu einem Heisluftballon geworden, solange die Einnahmen flossen blieb die Hülle straff und Boeings Aktionkurs erreichte immer neue Höhen da Boeings Umsätz immer weiter stiegen.

Schlussendlich blieben dies Einnahmen aber immer mehr aus, die Schulden stiegen, die Unerfahren Entwickler kammen nicht mit neu Entwicklungen zurecht was noch mal 50 Milliarden Kosten für die 787 beisteuerte.
Aus dem Ballon war ein Sieb geworden als ob jemand mit einer Schrottflinte die Hülle durchlöchert hätte.

Ergebniss: die imposante Hülle kollabiert.

Exzellente Darstellung - alles auf den Punkt gebracht!


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