Hercules in Ramstein
Vor 4 Tagen  

Diese Landung kostete 21 Millionen Dollar

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Lockheed Martin C130, © Lockheed Martin

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RAMSTEIN - Der Trainingsflug einer Hercules-Besatzung in Ramstein endete im April 2020 mit einer harten Landung, einem nicht mehr lufttüchtigen Flugzeug - und 21 Millionen US-Dollar Sachschaden. Die Ursache für den Unfall ist laut Untersuchungsbericht nun geklärt: es war ein Pilotenfehler.

Diesen Tag hatten sich die Piloten einer Super Hercules der US Air Force sicher anders vorgestellt. Am 23. April 2020 starteten sie auf der Ramstein Air Base die vier Motoren ihrer C-130J-30 mit der Hecknummer 11-5736 und hoben kurz darauf zu einem Bewertungsflug über der Pfalz ab.

Mit an Bord war deshalb auch ein Evaluator Pilot, der die Aktionen der Crew im Cockpit dokumentierte. Der Missionsplan sah nach einem kurzen, steilen Start auch einen ebenso steilen Anflug mit Vollbremsung vor. Anschließend sollte die Hercules erneut starten und sich in der Luft mit zwei weiteren C-130J zu einer Formation zusammenschließen. Doch dazu kam es nicht.

Stattdessen endete der Tag für Besatzung und Flugzeug beinahe in einer Tragödie: Im Steilanflug Richtung 26 einschwebend, visierte der Kommandant die markierte Landezone an, setzte die C-130J jedoch übermäßig hart auf der Landebahn auf, was zu erheblichen Strukturschäden an Rumpf, Tragflächen, Triebwerken und Hauptfahrwerk führte.

Auf Anraten des Copiloten gelang der Crew zwar ein Go-around und im Anschluss daran eine sichere Landung auf der Airbase. Das Flugzeug war vorerst jedoch nicht mehr diensttauglich: Die US Air Force bezifferte den Sachschaden später auf knapp 21 Millionen US-Dollar (17,3 Millionen Euro).

Zu schnell gesunken

Grund für die missglückte Landung war offenbar ein Pilotenfehler, und nicht – wie zunächst vermutet – ungünstiger Rückenwind. Zu diesem Schluss jedenfalls kommt der offizielle Untersuchungsbericht, den die Air Force am 16. Februar veröffentlichte.

Demzufolge reduzierte der Kommandant im Landeanflug zu früh die Leistung der vier Turboprop-Triebwerke – nämlich in 70 Fuß statt, wie im Standardverfahren festgeschrieben, in 20 Fuß Höhe. 45 Fuß über Grund, also knapp 14 Meter, waren die Triebwerke bereits im Leerlauf.

Laut Bericht habe dies die Sinkrate der Hercules zusätzlich verstärkt. Die Ermittler begründen dies mit der "spezifischen Aerodynamik" der C-130J: "Die Propeller erzeugen einen Luftstrom mit hoher Geschwindigkeit über die Tragflächen, der sich direkt auf den Auftrieb auswirkt", so die Erklärung. Leistungsänderungen könnten daher zu "direkten Änderungen des Gleitwegs" führen.

Zu spät bemerkt

Erst in zehn Fuß Höhe bemerkten die Piloten offenbar, dass sie viel zu schnell sanken – mit einer Sinkrate von 834 Fuß pro Minute statt wie geplant mit 540 Fuß. Sofort erhöhte der Kommandant die Leistung wieder, doch es war bereits zu spät: Die Hercules krachte mit einem Lastvielfachen von 3,62 g auf die Runway – die Belastungsgrenze der C-130J liegt laut Untersuchungsbericht bei lediglich 2 g. Das Bugfahrwerk des Flugzeugs berührte die Landebahn jedoch nicht.

Der Unfallbericht nennt neben dem Fehler der Besatzung noch weitere Faktoren, die sich ungünstig auf die Situation auswirkten. So lasse des hohe Einsatztempo der 37th Airlift Squadron "besonders für weniger erfahrene Flugzeugbesatzungen" kaum Zeit für Schulungen vor Ort.

"Das Fehlen lokaler Trainingseinsätze in Verbindung mit lokalen Einschränkungen macht es schwierig, kritische Fähigkeiten zu üben", so die Ermittler in dem Bericht. Die Basis verfüge zudem nicht über eine extra Landezone, um Gefechtslandungen zu üben, sondern verwende stattdessen eine auf die Runway aufgemalte, simulierte Zone für das Training.

Diese jedoch biete "kein realistisches Training für Gefechtslandungen und -starts". Auch ein Fehler im Software-Algorithmus der C-130J, durch den harte Landungen nicht erkannt würden, habe zum Geschehen beigetragen.
© FLUGREVUE - Patrick Zwerger | Abb.: USAF | 22.02.2021 13:11


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