Kommentar zu Lufthansa
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Herr Thiele, legen Sie die Maske ab!

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Lufthansa Airbus A330-300, © Lufthansa

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FRANKFURT - Im Börsenepos "Wall Street" zockt Michael Douglas als Gordon Gekko mit der fiktiven Bluestar Airlines. Lufthansa wird in der Luftfahrtkrise zum Spielball eines echten Milliardärs, der 138.000 Mitarbeiter über seine Absichten vorerst im Dunkeln lässt. Das Gezerre hat Lufthansa gerade noch gefehlt.

Rückholflüge und Luftbrücken: Luftfahrt hat in der Krise gezeigt, was sie kann - im Gegenzug greift der Staat Lufthansa und Condor unter die Schwingen.

Bis zur Corona-Krise hatte Heinz Hermann Thiele mit Luftfahrt nichts am Hut: der Unternehmer verdiente Milliarden mit Bremsen für Züge - und könnte mit einem hastig zusammengeklaubten Aktienpaket von 15,5 Prozent die Lufthansa-Rettung in letzter Minute sprengen.

In einem Interview zündelte Thiele mit "neuen Möglichkeiten", die eine Insolvenz berge. Er will nicht "blockieren oder ausbremsen", beteuerte Thiele - ein Verkauf von Knorr-Bremse-Aktien im Wert von 700 Millionen Euro schürt aber die Sorge, dass der Unternehmer bereits an einer Auffanglösung arbeitet.

Dass Lufthansa dem neuen Investor nicht über den Weg traut, zeigen die Appelle der Konzernspitze an Kleinaktionäre, am 25. Juni unbedingt für die staatliche Milliardenspritze zu stimmen.

Zehntausende Lufthanseaten bangen zeitgleich - wie die meisten Mitarbeiter in der Luftfahrt - um ihre berufliche Existenz. Nicht jeder, der an Rückholflügen beteiligt war oder half, Pakete voller Schutzkleidung nach Europa zu verfrachten, wird nach der Krise noch den gelben Dienstausweis tragen. Lufthansa steht vor gewaltigen Aufgaben.

Frankfurt ist nicht New York, Lufthansa ist keine Bluestar Airlines und Heinz Hermann Thiele hat mit Gordon Gekko sicher soviel gemein wie Zugbremsen mit Triebwerken. Zugleich ist in Lufthansa-Kreisen zu vernehmen, dass Thiele an einer "konstruktiven Lösung" mitwirken will - Lufthansa wird die Abstimmung womöglich vertagen und Thiele Gelegenheit für einen konkreten Gegenvorschlag geben.

Umso mehr gilt, was in diesen Tagen ein eher unüblicher Aufruf ist: Herr Thiele, legen Sie die Maske ab!
© aero.de | Abb.: Lufthansa | 19.06.2020 15:44

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Beitrag vom 19.06.2020 - 19:51 Uhr
ich habe hier vor Wochen geschrieben: Thiele wird Spohr vor sich her treiben. Jetzt ist es so weit.

Thiele wird sein Aktienpaket auf mindestens 25% aufstocken, damit er jeden HV Beschluss verhindern kann, der seine Interessen stört. Das gilt jetzt und so lange,wie er der größte Aktionäre der LH ist.

Deswegen hat er sich von 17 % der Knorr Bremse AG getrennt- auf Zeit. Natürlich liegt da eine Rückkaufvereinbarung mit einem festen Kurs vor.

Die Mittel hat er nun um weitere 10 % der LH zu erwerben. Es ist ja auch eine unglaubliche Dreistigkeit von Scholz 20 % für 330 Mio Euro erwerben zu wollen, zum Nennwert der Aktie und das Bezugsrecht für Altaktionäre auszuschließen.

Ersten sind die 330 Mio € nur ein völlig unwichtiger Betrag und zum Nennwert stocke ich gerne meinen Bestand auf.

Ich stimme gegen die Vorlage und unterstütze Tiele.

Der HV Beschluss wird scheitern und das ist gut so.
Beitrag vom 19.06.2020 - 17:25 Uhr
Ist doch klar was er vorhat. Aktienkurs in den Keller, dann sein Anteil schnell aufstocken und Mehrheitsaktionär werden. Ein Einstieg des Bundes würde sein Aktienpaket verwässern und sein Einfluss vermindern, darauf hat er keine Lust.

Allerdings die Frage bleibt, was will er? Warren Buffet ist aus allen Luftfahrtinvestments ausgestiegen, zu groß für ihn das finanzielle Risiko einer Kernschmelze der Anlage.

Fakt ist, die Luftfahrt wird ein Jahrzehnt brauchen wieder auf die Füße zu kommen, bis dahin ist aber keine ordentliche Marge zu machen.

Was Thiele genau will bleibt unklar.


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