Interview mit Yvonne Makolo
Älter als 7 Tage

Afrikas kleiner Überflieger: RwandAir

DOHA - RwandAir könnte sich zu einer der wenigen Erfolgsgeschichten in der afrikanischen Luftfahrt entwickeln. Yvonne Makolo steht an der Spitze der Airline. aero.de hat mit Makolo über die Bedeutung von RwandAir für Ruanda und den Ausbau mit A330neo und 737 MAX zur Netzgesellschaft gesprochen.

Turkish Airlines und die Golf-Airlines haben vorgemacht was es bewirken kann, wenn Regierungen und nationale Fluggesellschaften Hand in Hand arbeiten. An solchen Vorbildern orientiert sich jetzt das zentralafrikanische Ruanda mit zwölf Millionen Einwohnern und einer Staatsfläche kleiner als Brandenburg.

Mit über sieben Prozent jährlichem Wirtschaftswachstum hat sich Ruanda zuletzt rasant entwickelt.

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RwandAir-CEO Yvonne Makolo, © Andreas Spaeth

Es dient auch vielen europäischen Firmen wie etwa Volkswagen als wichtiger Brückenkopf in Afrika. Die deutschen Autobauer betreiben hier ein Autowerk und testen außerdem neue Mobilitätskonzepte.

Auch Yvonne Makolo hat die im Land schon nach wenigen Monaten populäre Mobi-App mit dem VW-Logo auf ihrem Handy. Makolo ist das neue, frische Gesicht der afrikanischen Luftfahrt.

Seit April 2017 arbeitet die vorherige Chefin eines Telekommunikationsanbieters bei der staatlichen Fluggesellschaft, zunächst als Vize-Chefin und seit April 2018 als CEO. Auf internationalen Luftfahrtkonferenzen sorgt sie stets für Aufsehen als eine von weltweit sehr wenigen Frauen an der Spitze einer Airline.

"Mir ist schon klar, dass ich als Frau in dieser Branche ziemlich im Rampenlicht stehe. Das sollte gar nicht sein, es sollte normal sein - aber da hat die Luftfahrtindustrie noch einen weiten Weg vor sich", sagte Yvonne Makolo in der vergangenen Woche am Rande der CAPA-Konferenz in Doha im Exklusivinterview mit aero.de. "Wir müssen jungen Frauen eine Chance geben, ihr Potenzial auch in der Luftfahrtbranche mehr zu zeigen."

Yvonne Makolo hat einen interessanten Werdegang. Geboren in Ruanda wuchs sie als Tochter einer alleinerziehenden UN-Diplomatin weitgehend in Nairobi auf. Ein Jahr vor dem Völkermord in Ruanda emigrierte sie 1993 nach Montréal in Kanada und arbeitete dort später als Softwareentwicklerin.

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RwandAir, © Andreas Spaeth

Nach zehn Jahren kehrte sie 2003 in ihre afrikanische Heimat zurück und blieb zunächst im IT-Bereich. Als Neuling in der Airline-Branche fühlt sie sich gut: "Das ist für mich bisher alles sehr positiv verlaufen, ich habe viel Unterstützung von meinem Shareholder, der Regierung, bekommen und auch von anderen Airline-CEOs. Niemand hat sich mir in negativer Weise in den Weg gestellt oder mich herumgeschubst, dafür bin ich sehr dankbar."

Yvonne Makolos Aufgabe ist es, die 2009 in ihrer heutigen Form entstandene RwandAir, kurzzeitig vom deutschen CEO René Janata geführt, zu einer global agierenden Netzwerkgesellschaft zu entwickeln.

Derzeit verfügt sie über zwölf Flugzeuge, darunter zwei 2016 gelieferte Airbus A330 sowie sechs Boeing 737-700 und -800. Im vergangenen Jahr beförderte die Gesellschaft rund 1,2 Millionen Passagiere auf Routen zu 23 Zielen, neben überwiegend afrikanischen Destinationen auch nach Dubai sowie in Europa nach Brüssel und London-Gatwick.

RwandAir hat seit ihrer Neugründung vor zehn Jahren noch keine Gewinne eingeflogen. "Natürlich wollen wir mittelfristig den Breakeven erreichen und danach profitabel werden, aber derzeit sind wir noch in der Investment-Phase", so Makolo.

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RwandAir Boeing 737-800, © Andreas Spaeth

Ähnlich wie in der Türkei oder am Golf ist die nationale Fluggesellschaft auch für Ruanda ein Werkzeug, um das Land als ganzes voranzubringen.

"Wir sind mehr als eine Säule für die Wirtschaft, wir ermöglichen vieles erst, etwa den Boom des Tourismus, der neuerdings unsere wichtigste Einkommensquelle für Devisen ist“, sagt Yvonne Makolo.

##chaviation[wb]## Ruanda bietet reizvolle Landschaften und eine gute Infrastruktur, Highlight sind streng reglementierte Besuche bei den Berggorillas, die begehrten Tageslizenzen kosten inzwischen 1.500 US-Dollar.

"Ruanda ist eine der am schnellsten wachsenden Wirtschaften Afrikas und unsere Passagierzahlen wachsen noch viel stärker, zweistellig pro Jahr", so Makolo.

Dabei ist RwandAir selbst in ihrem Heimatmarkt eher ein kleinerer Wettbewerber. Da das Land eine Politik des offenen Himmels verfolgt, eine Ausnahme in Afrika, sind nicht weniger als sechs große internationale Airlines in Kigali präsent.

"Das ist gut für das Land, Wettbewerb ist gut", betont Makolo. Auch das eine Seltenheit in Afrika, wo die Liberalisierung im Luftverkehr bisher trotz offizieller Einführung des Single African Air Transport Market (SAATAM) kaum vom Fleck kommt.

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RwandAir Airbus A330, © Airbus

"Wir nutzen das bisschen Liberalisierung, das da ist, so gut wir können", sagt die Airline-Chefin. Erfolgreich ist RwandAir etwa mit Routen der Fünften Freiheit, auf denen sie über Verkehrsrechte zwischen anderen Staaten verfügt.

Auf insgesamt sechs innerafrikanischen Routen transportiert sie Passagiere auch außerhalb des Heimatlandes, so etwa auf der sehr erfolgreichen Strecke von Kigali über Harare in Zimbabwe nach Kapstadt.

A330neo und 737 MAX

Ruanda hat große Pläne im Luftverkehr. Derzeit beginnen die Bauarbeiten am neuen Bugesera International Airport, der den alten viel zu kleinen Stadtflughafen von Kigali ersetzen wird.  "Dort können wir endlich einen richtigen Hub aufbauen. Bugesera sollte eigentlich schon 2020 fertig sein, aber bisher wird gerade mal an den Fundamenten gearbeitet", berichtet Yvonne Makolo.

In der ersten Phase wird er bis zu zwei Millionen Passagiere jährlich bewältigen können, am Ende bis zu sieben. Derzeit verzeichnet Kigali etwas über eine Million Passagiere im Jahr. RwandAir selbst wird 2019 ihre Sitzplatzkapazität um ein Drittel aufstocken.

In diesen Wochen soll die erste A330neo ausgeliefert werden, die zweite zur Jahresmitte, auch zwei bestellte Boeing 737 MAX 8 kommen in diesem Jahr. Daher werden in den nächsten Wochen neue Routen angekündigt, etwa nach Guangzhou in China.

Auch weitere Europa-Routen sind im Gespräch - aber Yvonne Makolo will derzeit nicht sagen, wohin. "Wir sind auch dabei, USA-Strecken vorzubereiten, das ist ein längerer Prozess, und wir werden dafür einen Stopp in Westafrika einlegen und hoffentlich volle Verkehrsrechte haben", so die RwandAir-Chefin. "Ende 2019 wird unsere Flotte 16 Flugzeuge umfassen, das ist viel für uns.“
© Andreas Spaeth | Abb.: Andreas Spaeth, Airbus | 17.02.2019 08:57

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Beitrag vom 17.02.2019 - 13:15 Uhr
Solche oder ähnliche Erfolgsgeschichten habe ich in den letzten zwanzig Jahren oder so, schon ziemlich oft gelesen.

Natürlich ist es für ein völlig am Boden liegendes Land einfach mit guten Wachstumszahlen aufzuweisen, da der Ausgangspunkt ziemlich weit unten liegt.

Ruanda und RwandAir muss in der nächsten Dekade beweisen, dass sie nachhaltig wirtschaften können, und die Gewinnzone dauerhaft erreichen.

Momentan hört es sich ja eher an, als ob wieder einmal eine Elite, bestehend aus amtierender Regierung und Fachleuten, die im Ausland eine exzellente Ausbildung erhalten haben, den Kuchen unter sich aufteilen.

Ruanda ist immer noch eines der ärmsten Länder der Welt, mit einem viel zu hohen Bevölkerungswachstum. Insgesamt krankt das Land an den üblichen afrikanischen Hemmnissen, wie viele andere Länder auch.

Bei Pressefreiheit und Menschenrechten belegt Ruanda ebenfalls einen hinteren Rang.

Man kann auch die Frage stellen, woher bislang die Gelder für den im Beitrag beschriebenen Aufschwung herkommen? Deutschland allein zahlt wo über 100 Millionen Euro im Jahr, da ist man dann auch schon ein wenig verwundert, wenn Ruanda einem britischen Fußballverein mit 35 Millionen Euro für drei Jahre sponsert, während laut Bundesamt für wirtschaftliche Zusammenarbeit, 50 Prozent der Bevölkerung in extremer Armut leben.

Turkish Airlines als Vorbild darzustellen, galt vielleicht bis zum Jahre 2016, als Erdogan über 200 Mitarbeiter wegen des Verdachtes des Putschversuches verhaften ließ, und auch Herr Kotil als CEO seinen Rücktritt erklärte.

Aber natürlich wünscht man allen Einwohnern Ruandas eine bessere Zukunft, Zweifel an einem Aufstieg, von dem auch die ärmsten Schichten etwas haben, bleiben jedoch bestehen.

Dieser Beitrag wurde am 17.02.2019 13:35 Uhr bearbeitet.


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