Björn Kjos
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"Das Gute an 2017 ist, dass jetzt 2018 ist"

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Norwegian Boeing 787-9, © Norwegian

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LONDON - Norwegian sieht rot: kurz vor Bekanntgabe der Geschäftszahlen 2017 stellt Norwegian-Air-Chef Björn Kjos seine Anleger auf eine desaströse Bilanz ein. Triebwerksprobleme früher Boeing 737 MAX und ein ehrgeiziger Expansionsplan nagen an der Substanz des norwegischen Preisbrechers.

"Ein Chaos" war das Jahr 2017 laut Kjos. Norwegian habe wegen Triebwerksproblemen mehr als zehn Boeing 737 MAX vorübergehend gegroundet - das warf den Flugplan um sechs Wochen zurück und die Crews konnten nicht die Flugstunden sammeln, die sie benötigen, um mit den neuen Jets über den Atlantik zu fliegen.

Das Debakel kostete die Airline 130 Millionen US-Dollar - inklusive der Transferkosten für Crews und Leasinggebühren für ältere, weniger effiziente Ersatzflugzeuge.

"2017 war kein gutes Jahr", sagte Kjos nun in London. "Was hätten wir tun sollen? Wir hatten bereits eine Menge Tickets verkauft. Wir konnten doch nicht zu den Passagieren sagen: Tut uns leid, wir können euch nicht fliegen. Das beste an 2017 ist, dass jetzt 2018 ist."

Piloten, die normalerweise den Dreamliner 787 fliegen, wurden in den anderen Flugzeugen eingesetzt, um Lücken in der Besetzung zu füllen. Dadurch sind laut Kjos die Kosten explodiert und der Betriebsablauf ist um einiges komplizierter geworden.

Unschöne Schätzungen

Diesen Donnerstag stellt die Airline ihre Geschäftszahlen für 2017 vor. Analysten schätzen, dass Norwegian einen Verlust von 147 Millionen Euro hinnehmen muss. Im Jahr 2016 konnte Kjos einen Gewinn von 127 Millionen Euro vorweisen. Der Verkauf von Tafelsilber in Form von Aktien der Norwegian Finans Holding verschaffte Norwegian 2017 Liquidität.

##chaviation[dy]## Norwegian muss laut Kjos einen der ehrgeizigsten Expansionspläne der Airline-Industrie finanzieren. Die Airline will von London-Gatwick aus mehr Flüge nach Südamerika und Asien anbieten. Außerdem will sie mit dem Airbus A321LR Strecken nach Washington Detroit, Minneapolis und Philadelphia entwickeln.

Berlin, Brüssel, Budapest und Prag gelten als mögliche Startflughäfen für Atlantiklinien, auf denen der Dreamliner zu groß wäre und die Norwegian mit der 737 MAX 8 mangels Reichweite nicht schafft. Zeitgleich zieht Kjos einen Flugbetrieb in Argentinien hoch.

Kjos` Eingeständnis dürfte Michael O`Leary als Bestätigung empfinden: der Ryanair-Chef fand bereits im Lauf des Jahres 2017 Vergnügen daran, über die finanziell angespannte Lage der Konkurrentin zu ätzen - und gar ihren Niedergang vorherzusagen.
© Bloomberg, aero.de (boa) | Abb.: Norwegian Air | 14.02.2018 10:28

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Beitrag vom 15.02.2018 - 06:41 Uhr
Darf gerne Pleite gehen. Ein Laden weniger mit massiver Steuerflucht und MA Dumping

Careful what you wish for. Das leidige an einer Pleite von Norwegian wäre, dass damit der direkte Konkurrent Ryanair mit einem Schlag seine Personalsorgen los wäre.

Da habe ich wohl leider nicht weit genug gedacht...
Beitrag vom 14.02.2018 - 19:40 Uhr
Und es zeigt sich mal wieder, dass zu schnelles Wachstum in der Airline-Brachne gefährlich werden kann. Beispiele wie z.B. Laker gibt es ja ausreichend.
Beitrag vom 14.02.2018 - 17:56 Uhr
Darf gerne Pleite gehen. Ein Laden weniger mit massiver Steuerflucht und MA Dumping

Careful what you wish for. Das leidige an einer Pleite von Norwegian wäre, dass damit der direkte Konkurrent Ryanair mit einem Schlag seine Personalsorgen los wäre. Statt Abwanderungen von Ryanair weg zu Norwegian stehen plötzlich hunderte bestens ausgebildete Piloten mit Zulassung für die exakt selben Muster auf der Straße und klopfen notgedrungen wieder bei Ryanair an. Dreimal dürfen Sie raten, wie viel Erfolg die derzeitigen Bemühungen der Gewerkschaften dann noch haben würden. Und die Aussicht auf Erfolg ist ja bereits jetzt nicht die beste.


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