Unerreichter Rekord
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London-Sydney nonstop: Einmal und (bisher) nie wieder

SYDNEY – Die Känguru-Route London-Sydney regelmäßig nonstop zu fliegen gilt als letzte große Hürde des internationalen Luftverkehrs. Qantas hat 1989 einen bisher unerreichten Rekordflug mit einer Boeing 747 geschafft. Jetzt will es die Airline wieder wissen - und plant Testflüge mit der Boeing 787. 

Genau 18.001 Kilometer beträgt die Distanz zwischen London und Sydney, die es ohne Zwischenlandung zu bewältigen gilt. Das schaffte bisher nur ein einziges Zivilflugzeug: Die erste Boeing 747-400 von Qantas während ihrer Auslieferung auf einem unerreichten Rekordflug vor 30 Jahren, im August 1989. 

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Qantas-Rekordflug QF7441, © Mark Keech
 
Ein Rückblick auf diese Pioniertat zeigt, welche physischen und technischen Grenzbereiche zu bewältigen sind, wenn Qantas ihr für 2022 geplantes "Project Sunrise" umsetzt. 

Am Stück von London nach Sydney in Australien zu fliegen ist ein alter Traum der Passagierluftfahrt – "truly the final frontier in aviation" nennt es Qantas-Chef Alan Joyce. Vor allem muss Qantas das passende Flugzeug dafür finden – derzeit läuft ein Wettstreit darum zwischen Airbus und Boeing. 

Die Europäer gehen mit einer gepimpten A350-1000ULR ins Rennen, Boeing will die 777-8 dafür fit machen. Der neue Boeing-Zweistrahler ist derzeit von starken Verzögerungen betroffen und noch nicht einmal zum Erstflug gestartet. Branchenkenner sehen daher zur Zeit Airbus eine Nasenlänge vorn – auch wenn Boeing weiter im Rennen ist. 

Bis zum Jahresende soll eine Entscheidung fallen, auch darüber, ob das "Project Sunrise“ überhaupt verwirklicht wird. Denn neben dem passenden Flugzeug hängt es auch von neuen Vereinbarungen mit den Piloten ab.

Kabinendesign nach wissenschaftlichen Erkenntnissen

Noch im Oktober startet der erste von drei geplanten "Forschungsflügen", bei denen neue Qantas-Boeing 787-9 auf ihren Auslieferungsflügen genutzt werden. Dabei sollen die Strecken London-Sydney und New York-Sydney mit jeweils nur rund 40 Passagieren, überwiegend Qantas-Mitarbeitern, an Bord nonstop bedient werden. Diesen Monat hebt der erste Nonstop-Flug New York-Sydney ab, im Dezember der zweite, der Flug London-Sydney soll im November stattfinden. 

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Qantas will mit neuen 787-9 Forschungsflüge durchführen, © Qantas
 
Die Mitreisenden und Piloten werden während der rund 19-stündigen Flüge von Wissenschaftlern mit Messgeräten auf ihr Verhalten und ihre Körperfunktionen hin untersucht. 

"Das hat es noch nie gegeben“, sagt Alan Joyce. "Wir werden die Ergebnisse nutzen um das Kabinendesign, den Bordservice und die Crew-Dienstpläne für "Project Sunrise" danach zu gestalten."

Heute ist das internationale Interesse an dem Projekt riesengroß und generiert viel Aufmerksamkeit für Qantas. Vor 30 Jahren war das ganz anders – damals wurde der Rekordflug unter großer Geheimhaltung geplant. 
 
Vor allem weil man wusste, dass British Airways einen Nonstopflug von London nach Perth plante. Dazu kam es nie, vermutlich weil Qantas den Briten auf der noch wesentlich eindrucksvolleren Route London-Sydney zuvorgekommen war. 

Und es sollte noch bis März 2018 dauern, bis die rund 14.500 Kilometer lange Strecke von Westaustralien nach London als Linienflug Wirklichkeit wurde. Qantas bedient die Verbindung von Perth seitdem erfolgreich mit der Boeing 787-9 und verzeichnet Rekordauslastungen. 

Dieser Andrang könnte nachlassen sobald es Nonstopflüge auch von der australischen Ostküste nach Europa gibt, denn viele Fluggäste aus Sydney oder Melbourne nach London steigen heute in Perth auf den Nonstopflug um.

Knapp 4.000 Kilometer Reichweite fehlten

Die größte Herausforderung vor 30 Jahren war es, mit der Boeing 747-400 die nötige Reichweite und Treibstoffeffizienz für den Rekordflug zu erreichen. Da das Flugzeug mit dem Kennzeichen VH-OJA direkt von Boeing kam und gleich danach in den Liniendienst ging schieden alle Optionen aus, etwa durch Ausbau von Sitzen oder Galleys Spielraum zu schaffen. 

Eine Boeing 747-400 hat eine Reichweite von 14.200 Kilometern – etwa 3.800 Kilometer zu wenig für die Strecke London-Sydney. Man bediente sich daher zweier Tricks beim Treibstoff: Zum einen füllte man die Tanks einzeln und bis zum Überlaufen am Vorabend des Starts, durch die kühleren Nachttemperaturen schrumpfte das Volumen des Kerosins, so dass fast 2.300 Liter mehr hineinpassten als üblich. 

Zum anderen ließ man eigens von einer Raffinerie in Hamburg spezielles Kerosin mit höherer Dichte produzieren, das mehr Reichweite ermöglichte. Vier Prozent Energie pro Liter konnte man so gewinnen, gleichzeitig gefror dieser Treibstoff erst bei minus 70°C, was sehr erwünscht war für Flughöhen bis 45.000 Fuß (rund 13.700 Meter) gegen Ende des geplanten Fluges. Zehn Tanklastzüge brachten den Spezialtreibstoff für den Rekordflug von Hamburg auf der Straße und mit verschiedenen Fähren nach London.

Für den Flug gab es mehrere Methoden, um Treibstoff zu sparen. Es durften insgesamt nur 23 Personen an Bord, daher brauchte man weniger Wasser, nur eine Galley und nur eine von drei Klimaanlagen an Bord zu benutzen. 

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Qantas-Rekordflug QF7441, © Mark Keech
 
Sogar das Gepäck der wenigen Mitflieger wurde auf einem separaten Flug transportiert. Die Flugsicherung in Heathrow war ebenfalls sehr kooperativ – der Rekordflug QF7441 durfte die Ankunfts-Piste nutzen, um jegliche Verzögerung am Boden zu vermeiden, gleichzeitig konnte der Jumbo bis an die Startbahn geschleppt werden und hier erst wurden die Triebwerke gestartet – was eine halbe Tonne Sprit einsparte. 

Eine sehr leichte Steigrate nach dem Start half ebenso wie die erst sehr späte Nutzung des Treibstoffs aus den Tanks im Höhenruder, um so die optimale Trimmung zu erzielen, was allein 0,4% mehr Reichweite ermöglichte. 

Beim Start am 16. August 1989 um 9.09 Uhr britischer Sommerzeit von Runway 28R in Heathrow schwappten 183,5 Tonnen Spezialkerosin in den Tanks und machte mehr als die Hälfte des Startgewichts von 357,9 Tonnen aus. 

Im Cockpit wechselten sich vier erfahrene Qantas-Kapitäne unter Leitung von David Massy-Greene ab. Nach 20 Minuten war die Reiseflughöhe von 33.000 Fuß erreicht, der Flug überquerte das damalige Westdeutschland und flog direkt über Frankfurt. 

Die Flugsicherung aller überflogenen Länder taten ihr Bestes, um dem Rekordflug den Weg von anderen Flugzeugen frei zu räumen und die direktesten Routen zu ermöglichen. 

In einer Viertelsekunde verbrannte jeder der vier Rolls-Royce RB211-Triebwerke jeweils einen Liter Sprit und brachte damit das Flugzeug 70 Meter vorwärts. Die Flugroute führte über Österreich, das damalige Jugoslawien, die Türkei und den Iran, nach achteinhalb Stunden über dem Oman stiegen die Piloten auf 37.000 Fuß. 

Von da an verlief die Route bis Westaustralien nur über dem Indischen Ozean, die Südspitze Indiens und über Sri Lanka, am Ende quer über Australien. Die Passagiere mussten unterdessen nicht darben, trotz aller Gewichtseinsparungen wurden ihnen drei üppige Mahlzeiten aufgetischt mit je zwei Auswahlgerichten, zum Dinner gab es als Vorspeise sogar kaspischen Kaviar.

Gute Landung trotz schlechten Wetters

Die Landung in Sydney stand unter keinen guten Vorzeichen, das Wetter war schlecht, zeitweise sah es so aus, als müsse der Flug nach Adelaide oder Melbourne ausweichen. Als die Gewitterwarnung zurückgenommen wurde konnte dann doch Sydney angeflogen werden. 

Nach 20 Stunden, neun Minuten und fünf Sekunden landete der Rekordflug am 17. August 1989 um 14.19 Uhr Ortszeit auf Bahn 16R in Sydney in einer großen Gischtwolke. Der Spritverbrauch hatte bei 177,7 Tonnen gelegen, nur knapp sechs Tonnen Kerosin waren übrig. 

Den Längenrekord für einen Nonstopflug hielt QF7441 bis zum 10. November 2005, als eine Boeing 777-200LR auf einem Demonstrationsflug von Hongkong in östlicher Richtung via Nordamerika nach London in 22 Stunden und 42 Minuten flog. 

Der Jumbo VH-OJA wurde 2015 außer Dienst gestellt und zum Illawarra Regional Airport südlich von Sydney geflogen, dort kann er heute im Museum der Historical Aircraft Restoration Society (HARS) besichtigt werden. 

"Über 30 Jahre danach bleibt VH-OJA das einzige Flugzeug, das diese historische und vielbeflogene Route in einem Satz bewältigt hat, dieses Flugzeug ist eine Ikone", sagt Kurator Steve Heesh. Und ein Ansporn für die moderne Luftfahrt, diese letzte Hürde im weltweiten Streckennetz bald regulär zu überwinden.
© Andreas Spaeth | Abb.: Mark Keech | 03.10.2019 08:54

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Beitrag vom 04.10.2019 - 19:43 Uhr
"Gut, aber bekannterweise liegen die Fähigkeiten des Herrn Spaeth ja eher im kulinarischen Bereich..."
"Stimmt. Deshalb durfte der Hinweis auf die 3 üppigen Mahlzeiten und dem kaspischen Kaviar nicht fehlen."

Das ist keine sachliche Kritik.

XXXXXXXXXXXX

Um dem ganzen die Krone aufzusetzen, habe ich mir anschließend erlaubt sachlich nach dem Fehlenden zu fragen, nach den während des Fluges herrschenden Windverhältnissen. Unverschämt, meinen Sie nicht? Denn immerhin hat der Autor die schlechten Wetterverhältnisse kurz vor der Landung erwähnt. Er kann also, wenn er mag.

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Modhinweis:
Unsachliche, polemisierende und personenbezogende Kritik gehört hier in dieser Art nicht rein. Alternativ können sie diese dem Author ja direkt äußern.

Weideblitz, Moderator

Dieser Beitrag wurde am 04.10.2019 21:12 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 04.10.2019 - 16:33 Uhr
Ich würde mal sagen, die Distanz ist die kürzeste Strecke. "Genau 18.001 Kilometer beträgt die Distanz zwischen London und Sydney, die es ohne Zwischenlandung zu bewältigen gilt. " Er hat ja auch die Wegpunkte benannt, selbst dann passt es nicht.

Am Ende waren es laut "Australian Aviation" beim damaligen Rekordflug bei einem optimalen Routing 17.850 km. Die 151 km Unterschied seien ihnen gegönnt.

Für mich lesen sich die 18.001 km wie eine Zielsetzung von Qantas, die man im Test erreichen möchte. Dies dürfte auch im späteren (möglichen) Linienbetrieb näher an der Realität sein. Gerade auf der Strecke SYD-LHR sollen in den nördlichen Sommermonaten die Windbedingungen oft so nachteilig sein, dass man eine Polarroute in Betracht zieht. Da kalkuliert man dann sogar bis ca. 18.500 km.

 https://www.reuters.com/article/us-qantas-strategy-idUSKCN1B41QY

Man hat sich ja dran gewöhnt, dass die Angaben der hier oft genutzen dpa Meldungen eine gewisse Bandbreite der Realität haben. Aber ein Luftfahrtautor, der selbst gerne kritsch kommentiert, der muss sich daran messen lassen.

"Gut, aber bekannterweise liegen die Fähigkeiten des Herrn Spaeth ja eher im kulinarischen Bereich..."
"Stimmt. Deshalb durfte der Hinweis auf die 3 üppigen Mahlzeiten und dem kaspischen Kaviar nicht fehlen."

Das ist keine sachliche Kritik.
Beitrag vom 04.10.2019 - 12:29 Uhr
Da sind dem Herrn Späth ein paar Details durcheinander geraten. Der Großkris ist nur 17.000KM und selbst die von ihm beschriebene Route kommt nur au 17.600.

Der Autor hat auch nichts von Großkreis geschrieben. Nur dass Qantas auf Testflügen LHR-SYD eine Distanz von 18.001 km bewältigen will. Muss ja nicht die kürzeste Route sein.
Ich würde mal sagen, die Distanz ist die kürzeste Strecke. "Genau 18.001 Kilometer beträgt die Distanz zwischen London und Sydney, die es ohne Zwischenlandung zu bewältigen gilt. " Er hat ja auch die Wegpunkte benannt, selbst dann passt es nicht.

Und mehr als eine halbe Stunde Sprit war das sicherlich auch noch...

Laut dem von @sunjet verlinkten Artikel auf "Australian Aviation" hätte der verbleibende Treibstoff bei der Landung noch für ca. 45 Minuten gereicht.

Alles in allem ein sehr interessanter und prima geschriebener Artikel. Weiß nicht, was das Gemaule über den Autor hier soll.
Man hat sich ja dran gewöhnt, dass die Angaben der hier oft genutzen dpa Meldungen eine gewisse Bandbreite der Realität haben. Aber ein Luftfahrtautor, der selbst gerne kritsch kommentiert, der muss sich daran messen lassen.

Dieser Beitrag wurde am 04.10.2019 12:31 Uhr bearbeitet.


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