"Der Spiegel"
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Manager spielen Schutzschirmverfahren für Lufthansa durch

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Lufthansa Airbus A320neo, © Lufthansa

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FRANKFURT - Mit neun Milliarden Euro an Staatshilfen schien die Lufthansa im Juni zunächst über den Berg. Doch die Erholung des Konzerns entwickelt sich weit schleppender als im schlechteren der beiden Szenarien, welche die Regierung damals für möglich hielt. Laut "Spiegel" schließen manche Führungskräfte ein Schutzschirmverfahren nicht aus.

Der Vorteil läge zumindest für Großaktionär Heinz Hermann Thiele auf der Hand: drei Monate nach Einleitung des Verfahrens wäre kein Arbeitsplatz mehr geschützt und teure Tarifverträge, die CEO Carsten Spohr schon lange vor der Coronakrise ein Dorn im Auge waren, verlören ihre Gültigkeit.

Wie der "Spiegel" berichtet, sollen nach dem Willen Thieles 30.000 Stellen gestrichen werden, um Kosten zu sparen. Angebote der Pilotengewerkschaft, mit Teilzeimodellen und Einschnitten beim Gehalt Kosten zu sparen: nicht genug.

"Ich habe den Einstieg bei Lufthansa nicht bereut", zitiert das Magazin den Großaktionär, der seit dem Frühjahr 12,4 Prozent an der Lufthansa hält. "Aber wir sind an einem toten Punkt angekommen, wo dringend ein tragfähiges Sanierungskonzept vorgelegt und umgesetzt werden muss."

Einigten sich Vorstand und Gewerkschaften nicht im Rahmen bestehender Vereinbarungen auf einen sozial verträglichen Stellenabbau muss die Lufthansa nach Ansicht Thieles die Tarifverträge kündigen. Auch die Bundesregierung müsse sich fragen, "wie lange es vertretbar ist, dass mit öffentlichen Mitteln Jobs erhalten werden, für die es keinen Bedarf mehr gibt."

350 Millionen Euro verliert der Konzern nach wie vor jeden Monat. 410 der 763 Flugzeuge stehen am Boden - mit dem neuen Lockdown im November könnten über hundert weitere dazukommen. Statt der im schlechteren Szenario der Bundesregierung angenommenen 35 Prozent Auslastung lag die Auslastung im Oktober bei 25 Prozent.

Weitere Finanzhilfe nötig?

Auch Regierungsvertreter sind ob dieser Zahlen offenbar der Ansicht, dass die Lufthansa schleunigst deutlich schlanker werden muss. Die Personalkosten würden die Airline "auffressen, wenn nicht etwas dagegen unternommen werde", zitiert der "Spiegel" einen Regierungsvertreter.

Bislang sind lediglich Flugbegleiter und Konzernführung zu einer Einigung über Sparbeiträge gelangt. Ähnliche Fortschritte mit Piloten und dem Bodenpersonal stehen aus. Selbst der Verkauf von Airlines der Konzerngruppe oder der renommierten Technik-Sparte scheint in der aktuellen Lage kein Tabu mehr zu sein.

Dreht sich die Situation auf dem internationalen Reisemarkt nicht innerhalb kürzester Zeit - was angesichts weltweit hoher Infektionsraten unwahrscheinlich ist - könnte die Lufthansa im nächsten Jahr sonst eine weitere Finanzhilfe des Staates benötigen.

Dies würde nicht nur ein persönliches Horrorszenario für Carsten Spohr bedeuten, sondern für den Konzern auch die Gefahr einer Überschuldung und in der Folge einer harten Insolvenz bergen.

Attraktiver erscheint einigen Mitgliedern der Führungsriege da laut "Spiegel"-Informationen ein Schutzschirmverfahren. Im Zuge einer Insolvenz in Eigenverwaltung könnte das Management die Airline ohne langwierige Verhandlungen mit Gewerkschaften drastisch verkleinern - alles im Sinne des Gläubigerausschusses.
© aero.de (boa) | Abb.: Lufthansa | 09.11.2020 12:06

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Beitrag vom 16.11.2020 - 18:38 Uhr
"Ich verstehe nicht wie manch einer immer noch glaube kann, dass ein paar Maßnahmen wie Vorruhestand, Arbeitszeitreduzierung und Freiwilligenangebote ausreichen, um LH durch diese Krise zu bringen."

Werden sie nicht. Die Krise wird die LH nur überstehen, wenn rechtzeitig wieder geflogen werden darf und dann auch wieder genügend Kunden fliegen wollen bzw. müssen. Bis dahin muss die Zeit irgendwie überbrückt werden, um nicht vorher pleite zu sein. Dafür müssen die Kosten runter, ich denke, das bestreitet niemand. Aber es gibt keinen Grund, eine unbefristete Absenkung der Gehälter hinzunehmen. WENN wieder geflogen wird, wird auch wieder Geld verdient. Wenn es dann am Ende 20, 30% weniger Flugaufkommen sind - also das lässt sich sehr wohl über die oben genannten Mechanismen und ohne soziale Härten abfedern. Wenn NICHT geflogen wird, ist auch ein Schutzschirm keine Hilfe, weil dann auch nach dem Schutzschirm keine Einnahmen kommen werden. Wozu also?

Es ist eine einmalige Chance in dieser Krise, mit Hilfe eines Schutzschirmverfahrens die Kosten im LH Konzern endlich auf ein konkurrenzfähiges Niveau drücken zu können - und das wird sich der CEO sicherlich nicht entgehen lassen.
Da kann die VC was auch immer anbieten - es wird niemals genug sein.
Beitrag vom 13.11.2020 - 20:48 Uhr
Danke für den Hinweis. Ich meinte 2021 und 2022.
Beitrag vom 13.11.2020 - 18:52 Uhr

Nächstes Jahr erwarte ich eine Erholung auf wenigstens 40% der Flüge vor Corona, 2021 würde ich mit 80% rechnen, ab da dann nur noch langsam steigend.


Nächstes Jahr ist 2021 :) oder meinen sie 40% in Q1 und 80% über das ganze Jahr gesehen?

Nach Corona wollen die Leute "endlich wieder fliegen. Diese Nachfrage wird sich auch in den Preisen niederschlagen.

Nach Corona... das wird nicht nächstes Jahr sein. Selbst wenn es einen Impfstoff geben sollte werden wir noch eine ganze Weile mit Einschränkungen leben „bis corona vorbei ist“.

Das ticketpreise nach oben gehen ist Eher unwahrscheinlich.

Wie lange der Pessimismus hält, wird sich auch zeigen ;-)

Gegenwärtig ist die Lage eben sehr bescheiden, alles andere sind ungelegte Eier und Hoffnung auf die schnelle Wende.


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