Lufthansas Carsten Spohr
Älter als 7 Tage

Neues Markenbild als "i-Tüpfelchen der Modernisierung"

KAPSTADT - Wäre er der CEO einer US-Airline, so Lufthansa-Chef Carsten Spohr bei einem Pressegespräch in Kapstadt, wäre die Einführung eines neuen Markenauftritts mit veränderter Flugzeugbemalung eine der ersten Dinge gewesen, die er getan hätte. So aber hatte er andere Prioritäten.

Allein im vergangenen Jahr verzeichnete die Kranich-Linie erstmals überhaupt über 130 Millionen Passagiere, nahm 50 neue Flugzeuge in ihre Flotte auf und übernahm wichtige Teile von Air Berlin.

"Unser neuer Markenauftritt ist das i-Tüpfelchen unserer Modernisierung“, so Spohr. "Welche andere größere Airline gibt es denn weltweit, die seit 1989 nicht ihren Auftritt überarbeitet hätte? Nur wir nicht“, kommentierte Spohr.

Am 07.02.2018 wird in Frankfurt und München unter dem Motto "Herkunft trifft Zukunft“ der neue Markenauftritt vorgestellt, am Tag darauf folgt eine Deutschland-Tour des Flugzeugs.

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Lufthansa Boeing 747-8 in neuen Farben, © Lufthansa

Eine Boeing 747-8 wurde dafür in Rom im neuen Lufthansa-Blau bemalt, am Rumpf gibt es künftig gar kein Gelb mehr. Geplant ist dem Vernehmen nach der Flug des frisch bemalten Jumbos von München nach Frankfurt mit niedrigem Überflug am wichtigsten Lufthansa-Drehkreuz.

"Gelb wird es nur noch innen im Flugzeug geben oder etwa auf den Bordkarten“, so Spohr. Warum die Kranich-Linie ihre wichtigste Firmenfarbe opfert erklärt der Vorstandschef hingegen nicht.

"Der Geschmack hat sich in den letzten 30 Jahren geändert, da mussten wir jetzt dran gehen“, heißt es aus seinem Umfeld bei Lufthansa. "Edler“ soll der neue Auftritt wirken und mehr Understatement zur Schau tragen.

"Wir haben heute Eurowings mit schreienden Farben im Punkt-zu-Punkt-Verkehr, Lufthansa will sich dagegen schon optisch stärker im Premium-Segment positionieren“, so die Begründung aus der Konzernzentrale. Und dabei stand das hundertjährige Gelb anscheinend im Weg.

Ende des Jahres werden bereits 40 Flugzeuge von insgesamt 330 den neuen Look tragen, vor allem durch Flottenzugänge. Insgesamt wolle man sich aber an die normalen Bemalungszyklen halten, so Spohr, wonach ein Flugzeug etwa alle acht Jahre neu lackiert wird. Demnach könnte es bis 2026 dauern, bis Lufthansa im einheitlichen neuen Blau erscheint.

Umfassende Präsenz in Südafrika

Spohr nutzte seinen Auftritt in Kapstadt zu weiteren Aussagen über den Luftverkehrsmarkt Afrika. "Kapstadt ist der einzige Ort weltweit, an dem demnächst alle Airlines der Lufthansa-Gruppe präsent sind“, so Spohr.

Neben Lufthansa sind dies Eurowings, die ihren Abflugsort nach dem Air Berlin-Ende von Köln/Bonn nach Düsseldorf verlegt, der Schweizer Ferienflieger Edelweiss sowie ab Winter Austrian Airlines ab Wien.

Die Lufthansa beschäftigt am Standort Kapstadt einen wichtigen Teil ihrer insgesamt 1.300 Mitarbeiter in Südafrika, das seit 1972 ununterbrochen angeflogen wird. In der Stadt am Kap unterhält die Kranich-Linie unter anderem ein großes Call Center sowie ihre Abteilung Global Load Control.

"Alle Beladungspapiere für Abflüge der gesamten Lufthansa-Gruppe werden in Kapstadt gemacht“, so Spohr. Als "Geste“ in der aktuellen Wasserkrise der Stadt führt die Lufthansa neuerdings auch das Trinkwasser für die Rückflüge ihrer Linienverbindungen von Frankfurt und München ans Kap aus Deutschland mit, bis zu eine Tonne Extra-Gewicht.

Ende Januar haben 22 Staaten der Afrikanischen Union ein Open Sky-Abkommen auf den Weg gebracht, dem sich bisher allerdings nur 22 Länder des Kontinents anschließen wollen und die Einführung noch ratifizieren müssen.

"Aus Luftfahrtsicht kann ich den Regierungen nur raten, den Offenen Himmel einzuführen, weil das die Effizienz extrem beschleunigt“, so Spohr. Allerdings seien die Europäer hiervon nicht betroffen, denn die Verbindung zweier Kontinente mit Open Skies wie zwischen der EU und Nordamerika sei bei den herrschenden Bedingungen für die EU und Afrika nicht realistisch.

Gleichzeitig ermutigte Spohr Südafrika, die faktisch bankrotte Staats-Airline SAA wieder auf Vordermann zu bringen: "Ein starker Markt wie Südafrika braucht eine starke Fluggesellschaft, und sie wieder in Form zu bringen sollte für die südafrikanische Regierung von nationalem Interesse sein.“

Kooperationsverhandlungen mit Ethiopian

Wichtigste Fluggesellschaft des Kontinents allerdings ist inzwischen Star Alliance-Partner Ethiopian Airlines. Deren CEO Tewolde Gebremariam deutete in dieser Woche gegenüber aero.de an, dass er mit Lufthansa Joint Ventures anstrebe für die Strecken von Frankfurt und künftig München nach Addis Abeba und darüber hinaus.

Dem Vernehmen nach hatte sich Lufthansa bisher gegen eine Präsenz von Ethiopian in München gesträubt. "Wir haben mit Ethiopian eine sehr enge Beziehung“, erklärte dazu Carsten Spohr. "Wir treffen uns in der kommenden Woche um eine über eine weiter vertiefte Zusammenarbeit zu beraten.“

Nachdem die Lufthansa durch die vollständige Übernahme von Brussels Airlines ihr Angebot an afrikanischen Destinationen um 17 Ziele auf nunmehr 35 mehr als verdoppeln konnte, stellt sich auch die Frage, ob ein Einstieg bei Alitalia auch für diesen Markt Auswirkungen haben könnte.

Spohr betonte, die Lage habe sich nicht verändert: "Eine neue, restrukturierte Alitalia könnte für die Lufthansa-Gruppe eine wertvolle Ergänzung sein, aber diese Restrukturierung müsste vor einer Beteiligung stattfinden, und das sehen wir bisher nicht.“

Nachdem Afrika für die Lufthansa bisher nur etwa ein Prozent des Gesamtumsatzes generiert, sieht Spohr hier großes Wachstumspotenzial - vor allem durch den Mangel an afrikanischer Konkurrenz.

Nachhall der Air Berlin-Pleite

Auch fernab der Heimat an der Südspitze Afrikas ließ ihn die Situation in Deutschland nach der Air Berlin-Pleite nicht los, nachdem in den vergangenen Tagen erneut Diskussionen darüber aufgekommen waren, dass die Bundesregierung bereits vorab mit Lufthansa in Verhandlungen stand.

"Uns als Lufthansa hat der 150-Millionen-Euro-Kredit der Bundesregierung nichts gebracht, aber ich bin überzeugt, dass es richtig war, ihn zu gewähren. Anderenfalls wären wie etwa in Großbritannien nach der Monarch-Pleite die Kosten für die Rückführung von Urlaubern für den Staat möglicherweise erheblich teurer gewesen.

Trotzdem räumte Spohr ein, dass Kommentare von Ministern der Bundesregierung über den Wert eines "nationalen Champions“ Lufthansa für die Fluggesellschaft "nicht hilfreich“ gewesen seien.
© Andreas Spaeth | Abb.: Lufthansa | 02.02.2018 13:46

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Beitrag vom 04.02.2018 - 09:01 Uhr
Der Aufstand gegen die neue Livery ist heute ähnlich groß wie vor knapp 30 Jahren gegen die heutige. Der Wegfall der blauen Fensterreihe, der schwarzen Nase und des silbernen Bauchs waren damals schon das Ende der Lufthansa.
Seinerzeit natürlich noch ohne Internet, aber Leserbriefe und Fachzeitschriften gab es auch schon. Alles nix neues.

Nur die Zeit wird erweisen, wer hier richtig liegt.

Vollkommen richtig. Wobei man relativierend dazu sagen muss, dass man mit dem quietsch-gelben Erstentwurf damals die Diskussion angeheizt hat und dann den "besseren" zweiten Entwurf zum Glück nachgeschoben und letztlich umgesetzt hat.
 http://www.airliners.net/photo/Lufthansa/Boeing-737-230-Adv/1690421/L

Und damals war LH was die Livery anging mehr oder weniger Vorreiter, denn die meisten Airlines haben damals noch auf die cheat line präferiert.

Die Vorzeichen waren damals ungleich schwieriger. Hatte man mit den Golfkriegen trotz des "Luxus" eine Staatsairline (mit Politiker in der ersten Führungsriege) zu sein doch gewaltige Schuldenberge angehäuft und war alles andere als profitabel. Da machte es Sinn als Zeichen des Aufbruchs und des Startegie-Wechsels auch eine neue Bemahlung einzuführen.
Beitrag vom 04.02.2018 - 00:00 Uhr
Wann bringt Lufthansa endlich mal was neues, und hinkt nicht immer hinterher?


Warum sollte sie denn? Ist nur derjenige der gut, der etwas neues macht? Inhalt egal, hauptsache anders?

Ich mag das Design. In ein paar Jahren ist es eh allen egal...
Beitrag vom 03.02.2018 - 23:28 Uhr
Wann bringt Lufthansa endlich mal was neues, und hinkt nicht immer hinterher?



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