Flugbegleiter
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Streit um Abfindungen bei Lufthansa

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Lufthansa-Crew, © Gregor Schlaeger, Lufthansa AG, Archiv

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FRANKFURT - Bei der Lufthansa gibt es inmitten der Corona-Pandemie Streit um die Abfindungsangebote für Flugbegleiter. Die Offerten zum freiwilligen Ausscheiden wurden den Beschäftigten laut Personalvertretern unter hohem Zeitdruck und ohne ausreichende Beratungsangebote übermittelt.

Zudem seien die angebotenen Abfindungen zu niedrig, weil das Personal gleichzeitig bereits erhebliche Sparbeiträge in der Corona-Krise leiste, kritisierte der Geschäftsführer der Flugbegleitergewerkschaft Ufo, Nicoley Baublies. Für das Bodenpersonal fehlten entsprechende Angebote trotz hohem Zeitdrucks noch ganz, kritisierte die Gewerkschaft Verdi.

Die Flugbegleiter unter 55 Jahren sollen laut Ufo das 0,75-fache Monatsgehalt pro Beschäftigungsjahr erhalten. Die Verträge sind mit den Personalvertretungen ausgehandelt worden. "Wir hätten das Doppelte erwartet", sagte Baublies.

Nach 20 Jahren würde ein Beschäftigter mit einem Gehalt von 5.000 Euro nach diesem Modell eine Abfindung von 75.000 Euro erhalten.

Einem Lufthansa-Sprecher zufolge bewegt sich der Abfindungsfaktor zwischen 0,75 und 1 Monatsgehalt pro Beschäftigungsjahr. Das liege durchaus im Rahmen von aktuellen Programmen bei anderen Unternehmen.

Geringes Interesse an Übergangsgeld

Die über 55 Jahre alten Flugbegleiter müssen laut Baublies entscheiden, ob sie mit Abschlägen frühzeitig in den Vorruhestand gehen. Zur Abfederung sollten auch Mittel aus einem aufgelösten Mitarbeiter-Fonds verwendet werden, über den man sich aber auch noch nicht einig sei.

Der Gewerkschafter kritisierte den hohen Zeitdruck, der seitens des Unternehmens aufgebaut werde. "Die Leute sollen innerhalb von vier Wochen entscheiden, ob sie zum November gehen." Gleichzeitig seien die internen Rentenberater in Kurzarbeit geschickt worden.

Nach seiner Einschätzung würden von den rund 2.800 Kandidaten keine 100 das Angebot annehmen, sagte Baublies.

"Selbstverständlich stehen unsere Experten den Mitarbeitern für Fragen zur Verfügung", entgegnete der Unternehmenssprecher. Es seien bereits mehrere hundert individuelle Angebote erstellt worden. Zur Beteiligung könne man noch keine Aussagen treffen, da beide Abfindungsprogramme noch liefen.

Wie andere Fluggesellschaften auch ist der Lufthansa-Konzern in der Corona-Krise wegen des stark reduzierten Flugangebots geschäftlich abgestürzt. Das Unternehmen musste vom Staat vor der Pleite gerettet werden und hat deutlich zu viel Personal an Bord für eine langfristig verringerte Nachfrage. Nach jüngsten Angaben sollen weltweit rund 27.000 von 128.000 Stellen wegfallen, bevorzugt über Teilzeit und freiwillige Abgänge, aber auch über betriebsbedingte Kündigungen.
© dpa-AFX | Abb.: Lufthansa | 07.10.2020 14:38

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Beitrag vom 09.10.2020 - 19:56 Uhr
Als Aktionär stellt sich mir eher die Frage, wie Lufthansa es zulassen konnte, dass angelernte, operative Servicekräfte nach 20 Jahren Betriebszugehörigkeit 5.000 Euro Gehalt beziehen. Das erscheint mir nicht nur im Branchenvergleich definitiv nicht wettbewerbsfähig.


ALTE Vertraege! ;-)
Ist bei BMW, Mercedes, BASF, Bayer, AUSTRIAN aehnlich!

Zum Glück! Es können doch nicht alle schlecht bezahlte Arbeit haben.

Dann müssten ja die paar FQTV ex SEN CC-Lover unser ganzes Gemeinwesen allein finanzieren... Wollen sie das?

Beitrag vom 09.10.2020 - 19:49 Uhr


…wobei ich natürlich auch weiß, dass ganz viele Kolleg*innen auch Aktien besitzen und damit doppelt betroffen sind.



Betroffen vom Kursverfall sind sie nur, wenn sie durch einen Verkauf der Aktien den Verlust realisieren. Aktien eignen sich nicht als kurzfristiges Investment und nur sehr bedingt als mittelfristiges Investment. Das ist sicher bekannt. Und die Kurse werden auch wieder steigen. Wer an LH glaubt und die Mittel hat, kauft jetzt nach. Wer nicht dran glaubt lässt es sein. Aktien sind und bleiben eine spekulative Anlageform. Mein Mitleid hält sich in Grenzen.

Vielen Dank, dass sie und an ihrem Wissen teilhaben lassen…

Das Problem ist nur, dass viele nicht mit einer SOLCHEN „Sonderkonjunktur“ gerechnet haben und jetzt auch längerfristige Anlagen u. U. kurzfristig werden. Das gilt natürlich nicht für unsere Besserverdiener die genug Rücklagen auch für längerer Durststrecken haben und Binsenweisheiten kennen.




Beitrag vom 09.10.2020 - 17:00 Uhr
Als Aktionär stellt sich mir eher die Frage, wie Lufthansa es zulassen konnte, dass angelernte, operative Servicekräfte nach 20 Jahren Betriebszugehörigkeit 5.000 Euro Gehalt beziehen. Das erscheint mir nicht nur im Branchenvergleich definitiv nicht wettbewerbsfähig.


ALTE Vertraege! ;-)
Ist bei BMW, Mercedes, BASF, Bayer, AUSTRIAN aehnlich!


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