Community / / Braucht Europa eine regionale Ryanai...

Beitrag 1 - 4 von 4
Beitrag vom 13.01.2014 - 17:10 Uhr
UserAvokus
User (888 Beiträge)
Verfall der Regionaldienste in Europa eine Spätfolge der Liberalisierung? Warum hat sich die Liberalisierung in Europas so anders ausgewirkt als die Deregulierung in USA?

In diesen Fragen liegt der Schlüssel für die jetzige Misere, wobei die Regionalgesellschaften hierbei weniger die Schuld trifft. Erfolgreiche Regionalairlines sind entweder kleine Krauter, die erfolgreich eine Nische besetzen oder Gemischwarenhändler die solange gedeihen, solange man sie lässt und sie dabei über Subventionen am Leben gehalten werden. Letzteres ist den Regionalairlines aber geradezu brutal entzogen worden, entweder weil sie in ihrer Nische plötzlich angreifbar waren, durch Lowcost Operator oder durch Kanalisierung ihrer Mentoren, den großen Brüdern, denen sie die Passagiere für die Langstrecke zunächst verschafften, aber nie hinreichend dafür vergütet wurden. Andererseits war das zaghafte Wettbewerbsverhalten unter den großen Airlines auch ein Grund warum regionale Airlines nie so an Bedeutung gewinnen konnten wie in den USA, wo manche teils über hunderte von Regionalflieger verfügten und noch verfügen, auch wenn dort ebenfalls der Wettbewerb den Wald schwer gelichtet hat, bedingt durch die Konzentration unter den Großen. Anders als in Europa, haben US amerikanische Regionalairlines als Gemischterenhänderler oft mehreren Herren gedient, wodurch sie Overheadkosten auf mehr Einheiten verteilen konnten, und gleichzeitig nicht so abhängig von einem Abnehmer waren, bzw. sind. In sich gewinnbringende Nischenstrecken plus Essential Airservices plus der Schutz vor Wettbewerb auf Strecken unterhalb bestimmter Größe plus das erhebliche Feedern für die Großen haben die Regionalairlines gedeihen lassen, wobei die Chancen und Risiken durch die Konzentration bei den großen nicht nur Wohl sondern auch Wehe bedeuten konnten.
Dem entgegen stand in Europa einerseits eine stark zersplitterte auf die Homemarkets konzentrierte Entwicklung der Regionalairlines als auch der großen Gesellschaften. Die Abwesenheit echten Wettbewerbs, wie er durch die Liberalisierung des Luftverkehrs ermöglicht werden sollte, fand ihren Ausdruck in einer "tu mir nicht weh" Politik zwischen den Großen. Jeder bleibt auf seinem Turf. Dies galt für große und kleine Airlines. Letzteres hat dies den kleineren Airlines aber mehr geschadet, speziell durch das Aufkommen von Lowcost Airlines, die wiederum als Einzige die neuen Freiheiten der Liberalisierung erkannt haben und konsequent zu nutzen vermochten, während die Anderen (große Airlines) am Schalter eingeschlafen sind. Die haben jetzt zusätzlich ein neues Problem, in Gestalt der Golfcarrier. Interessanter Weise könnte hierin für manche regionale Gesellschaft der Schlüssel für das eigene Überleben liegen, wie es Darwin in Zuarbeit für Ethiad versucht.

Da mit einem Wandel der Philosophie der großen Airlines eher nicht zu rechnen ist, was den Ausbau paneuropäischer Dienste auch ins aussereuropäische Ausland betrifft, wofür man allerdings wiederum funktionieren Regionalgesellschaften als Feeder benötigt, werden es die verbleibenden regionalen Gesellschaften in Zukunft eher noch schwerer haben fort zu existieren, ja man könnte sagen sie existenzieren sich fort.

Ein Überleben regionaler Dienste gelingt evtl. noch am besten in der Nische, unterhalb der Schwelle, die für Lowcostler interessant ist, und auch nur solange regionale Zentren Subventionen zahlen können. Dies wiederum setzt eine Weitsicht der Politik voraus, die die höhere Bedeutung solcher Dienste anerkennt und auch gegen Widerstände zu verteidigen weis. Eine Planungssicherheit bleibt für solche Nischencarrier allerdings nicht gegeben. Als Regional muß man zukünftig örtlich ungebunden sein und solange Honig saugen wie es geht. Regional Aviation ist und bleibt damit ein Zuschußgeschäft. Spending other peoples money or how to make a small fortune.

Im Gesamtinteresse der Europäischen Airlineindustrie würde man sich wünschen, dass unsere großen Airlines endlich aufwachen und den Kämpft aufnehmen. Sonst bleibt am Ende nicht nur keine bedeutende Regional Airline übrig, sondern vielleicht auch keine bedeutende Internationale Airline europäischen Ursprungs, wenn man Low Cost Airlines á la Ryanair oder Easy Jet mal außen vor lässt.

Trauriger Ausblich? Ganz recht!
Beitrag vom 14.01.2014 - 00:28 Uhr
Userbob.gedat
User (674 Beiträge)
Lieber Avokus, so leid's mir tut, ich muss Ihnen (leider) Recht geben, zumindest großteils. Der Ausblick scheint tatsächlich traurig.

Während die Liberalisierung in den USA völlig neue Verkehrs- und Marktstrukturen bewirkt,´hat, hat sie in Europa die alten, nationalen Pfründe nur noch gefestigt. Ohne den frischen Wind der LCC wären Lufthansa & Co darin wahrscheinlich längst erstickt.. Gesunder Wettbewerb ist eben doch noch was anderes, als das Abstecken geerbter Äcker.

Wöhrl hat verstanden, dass das regionale Geschäft mit der Fläche zunächst erstmal selber genügend Fläche braucht, um sich ordentlich entwickeln zu können. Ich glaube HRW schöpft seinen Optimismus aus der simplen Tatsache, dass die regionalen Standorte gravierend unterversorgt sind und aus Notwendigkeit heraus jetzt auch genügend Initiative entwickeln werden, die auch in Brüssel gehört wird. Intelligente Subventionen für eine funktionierende Infrastruktur sind keine Schande. Bin mir aber nicht sicher, ob das bis jetzt auch in Brüssel verstanden wurde.
Beitrag vom 14.01.2014 - 13:44 Uhr
UserAvokus
User (888 Beiträge)
Unternehmer Persönlichkeiten wie Wöhrl sind alles andere als Aktionisten. Ihnen gebührt dennoch Respekt, weil Sie nüchtern analysierend Chancen identifizieren und sie überzeugt nutzen. Sie gehen dabei rein kaufmännisch vor und kalkulieren ihr Risiko genau. Sie können die Industrie zwar nicht umkrempeln, beweisen neben ihrem Sachverstand aber auch den nötigen Mut ihre Unternehmungen zum Erfolg zu führen. Dieser Mut geht jedoch den professionellen Managern großer Airlines ab. Der Geist des Unternehmertums wird durch das Regulativ Aufsichtsrat und Kapitalmarkt erstickt.

Was Brüssel angeht, erwarte ich mir genauso wenig Erkenntnisse wie sie Herr Gerat. Das Kind muß wohl halt erst in den Brunnen fallen.
Beitrag vom 20.01.2014 - 18:20 Uhr
Usererwin
User (193 Beiträge)
Neue Regionalairline aus Holland
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