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Lufthansa gibt Reisesommer 2021 noch nicht verloren

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Carsten Spohr, © Lufthansa

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FRANKFURT - Inmitten der nur langsam abebbenden Corona-Infektionswelle in Europa setzt die Lufthansa auf eine starke Erholung bei Flugreisen in Sommer. Mittelfristig rechnet Lufthansa mit "10 bis 20 Prozent" geringerer Nachfrage in der Business Class - und einen Trend zur Premium Economy.

Der Fortschritt beim Impfen und Aussichten auf ein Ende der Quarantänepflicht gäben Anlass zu Optimismus, erklärte Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Donnerstag.

Dass sich die EU um eine schnelle Einführung des europäischen Impfzertifikats für freies Reisen bemüht, zeigt nach Spohrs Auffassung den Willen zur Lockerung der Reiserestriktionen. Das gilt auch für eine Öffnung für Einreisen geimpfter US-Bürger, die EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen am Wochenende angekündigt hat.

"Das wird eher eine Frage von zwei, drei Wochen und nicht von Monaten sein", sagte Spohr. Der "Pessimismus der deutschen Regierung" werde die Öffnung zu den USA nicht bremsen.

"Je länger die Krise dauert, desto größer wird die Sehnsucht der Menschen, wieder zu reisen", erklärte der Lufthansa-Chef. Deshalb werde die Nachfrage im zweiten Halbjahr stark wachsen. Die steigenden Corona-Infektionszahlen im Frühjahr machten allerdings die Hoffnungen der Branche auf ein Anspringen des in der Pandemie erlahmten Passagierluftverkehrs zunichte.

Deshalb reduzierte auch die Lufthansa ihre Angebotsprognose für das Gesamtjahr auf 40 Prozent des Vorkrisenniveaus von 40 bis 50 Prozent. Derzeit hält die Lufthansa nur ein Fünftel der Kapazität im Vergleich zu 2019 bereit, die sie allenfalls zur Hälfte mit Passagieren füllen kann.

Premium Economy sticht Business Class

Unter abgesagten Geschäftsreisen leidet Lufthansa besonders - in diesem Segment wird Krise laut Lufthansa mindestens bis 2025 langfristig nachhallen. "Wir planen mit weniger Nachfrage im Geschäftsreiseverkehr von etwa 10 bis 20 Prozent", sagte Spohr. "Am Ende wird es aber nicht so extrem, wie manche jetzt glauben."

Zeitgleich rechnet Lufthansa nach Krise mit einer Verschiebung der Nachfrage in die Premium Economy Class. Damit kann der Konzern gut leben: "Pro Quadratmeter Kabinenboden erzielen wir in der Premium Economy höhere Margen als in der Business Class, First Class oder Economy", sagte Spohr.

Der Trend zur Premium Economy wird sich auch in den Kabinen widerspiegeln. Spohr hatte im Februar eine Verkleinerung der Business Class angedeutet. Zumindest in neuen Airbus A350 wird die Business Class wohl um 25 Prozent - 36 statt bis zu 48 Sitze - kleiner ausfallen als bislang, deutete Finanzvorstand Remco Steenberger an.

Die Corona-Krise färbte die Bilanz der Lufthansa im ersten Quartal erneut tiefrot. Von Januar bis März schrieb der Konzern unter dem Strich einen Verlust von einer Milliarde Euro, der Umsatz brach um 60 Prozent auf 2,56 Milliarden Euro ein. Dank Kostensenkungen war der Fehlbetrag aber nur halb so hoch wie im Vorjahresquartal, als die Pandemie weltweit ab März den Passagierluftverkehr fast zum Erliegen gebracht hatte.

Einen Ausblick gab die Lufthansa auch auf die kommenden Jahre: Für 2024 prognostiziert sie eine Angebotskapazität von 90 bis 95 Prozent, wobei sich die Nachfrage nach Ferienflügen stärker erholt als die nach Geschäftsreisen. Im kommenden Jahr sollen es 70 Prozent sein.

Staatshilfen: Lufthansa hat noch Reserven

Die Airline-Gruppe, zu der neben der Hauptmarke Lufthansa auch Swiss, Austrian und Brussels Airlines sowie der Ferienflieger Eurowings gehören, wurde so schwer vom Corona-Schock getroffen, dass sie mit einem milliardenschweren Finanzpaket gerettet werden musste. Die Verschuldung lag zuletzt bei 10,9 Milliarden Euro, die verfügbaren Mittel waren fast genauso hoch.

Von den neun Milliarden Euro Staatshilfe sind 5,4 Milliarden Euro noch nicht abgerufen. Während alle Airline-Töchter Verluste einflogen, erzielte das Frachtgeschäft erneut einen Rekordgewinn, da die Frachtpreise bei knappem Angebot hoch sind. Lufthansa Cargo verdiente operativ 314 Millionen Euro. Auch die Wartungssparte Lufthansa Technik schrieb schwarze Zahlen mit 60 Millionen Euro Betriebsgewinn.

Analysten äußerten sich zuletzt skeptisch. Die Ratingagentur Moody's erklärte, die Sommerreisesaison werde in Europa erst ab Mitte August Fahrt aufnehmen. Dafür müsse sich das Impftempo aber deutlich beschleunigen. "Das Risiko wächst, dass die lang erwartete Erholung sich auf 2022 verschiebt", erklärte Bernstein Research. In diesem Jahr werde noch keine Fluggesellschaft wieder schwarze Zahlen schreiben.

Die Lufthansa-Gruppe hatte im ersten Quartal nur ein Fünftel der Kapazität des Vorkrisenniveaus im Angebot, mit dem sie drei Millionen Passagiere beförderte - zehn Prozent des Vorkrisenniveaus. Die Kosten sanken um die Hälfte, unter anderem durch Personalabbau. Mittlerweile beschäftigt der MDax-Konzern mit gut 111.000 Mitarbeitern fast ein Fünftel weniger als im Vorjahr.

Den Personalüberhang in Deutschland bezifferte Finanzchef Remco Steenbergen auf 10.000 Vollzeitstellen. Betriebsbedingte Kündigungen seien im kommenden Jahr nach dem Ende der Kurzarbeit möglich und würden rechtlich vorbereitet. Doch könnten sie vermieden werden, wenn mit den Gewerkschaften Vereinigung Cockpit und Verdi neue Vereinbarungen zu alternativen Kostensenkungen geschlossen werden könnten.
© Reuters, aero.de | Abb.: Lufthansa | 30.04.2021 08:25

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Beitrag vom 30.04.2021 - 14:57 Uhr
Bin grad mit Lufthansa, oder genauer gesagt Hungerhansa von via Frankfurt nach Kapstadt und zurück geflogen. Bei allem Verständnis für die schwierige Situation und nötigen Einsparungen, aber dieses Diätpaket was den Fluggästen auf einem 11,5 Stunden Flug plus Boarding und Gesundheitscheck warten am Gate präsentiert ist eine Blamage.


Einen verloren gegangenen Kunden zurück zu gewinnen ist jedenfalls teurer.
Beitrag vom 30.04.2021 - 14:44 Uhr
Bin grad mit Lufthansa, oder genauer gesagt Hungerhansa von via Frankfurt nach Kapstadt und zurück geflogen. Bei allem Verständnis für die schwierige Situation und nötigen Einsparungen, aber dieses Diätpaket was den Fluggästen auf einem 11,5 Stunden Flug plus Boarding und Gesundheitscheck warten am Gate präsentiert ist eine Blamage. Von dem bisschen Frass - sorry, aber anders kann man die Pastapampe zum Dinner und den knochentrockenen Wrap mit 2,5 Paprikastückchen zum Frühstück nicht bezeichnen - mal ganz zu schweigen.

Ich erwarte in der Eco keine Gourmet Menüs, aber während die Flughäfen in D derzeit quasi fast alles dicht haben, erwarte ich auf so einer Langstrecke wenigstens eine halbwegs vernünftige Verpflegung. Zur Not tut es auch ein einfaches Käsebrötchen oder eine Laugenstange, aber dies war wirklich eine Zumutung. Und hier wird am falschen Ende gespart. Sicher von A nach B bringen mich viele Fluggesellschaften. Wenn ich aber nach einem 12h Flug hungrig (weil winzige Portionen und nicht schmeckendes Essen) und zu wenig Getränken (dann verteilt doch zwei Flaschen Wasser und nicht eine 0,5l für 12h) aus der Maschine steige, dann bleibt mir dieser Flug mit einem negativen Gefühl verbunden. Beim nächsten Flug wird diese Erfahrung automatisch berücksichtigt. Und ob ich nun in Frankfurt, Amsterdam, London oder Dubai umsteige ist mir ehrlich gesagt ganz egal.
Beitrag vom 30.04.2021 - 13:45 Uhr
Und wieviel Kunden das Erstattungsdisaster aus 2020 vergessen haben ... hmmm !!!


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