Klimaschutz-Paket
Älter als 7 Tage

Fliegen in der EU wird deutlich teurer

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Ein Airbus A320 beim Start am Allgäu Airport Memmingen, © Allgäu Airport Memmingen

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FRANKFURT - Für den Klimaschutz dürften Flugtickets und Urlaubsreisen auf absehbare Zeit in Europa teurer werden. Mit ihrem Klimaschutzpaket "Fit for 55" hat die EU-Kommission auch für den Luftverkehr Instrumente vorgeschlagen, die zunächst für erhebliche zusätzliche Lasten sorgen.

Verschärfter Emissionshandel, eine neue innereuropäische Kerosinsteuer sowie Mindestquoten für nachhaltige Treibstoffe würden für die Fluggesellschaften zusätzliche Milliardenkosten bedeuten, die sie an ihre Kunden weitergeben müssten. "Mehr Ambition beim Klimaschutz im Luftverkehr kostet, das ist klar", hatte Lufthansa-Stratege Kay Lindemann schon vor den Brüsseler Vorschlägen erklärt.

Die Luftverkehrs-Lobby hat sich das Ziel der Klimaneutralität längst auf die eigenen Fahnen geschrieben. Doch bei der konkreten Ausgestaltung gibt es viel Kritik an den Vorschlägen der Kommission, beispielsweise vom Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL).

Emissionshandel und eine innereuropäische Kerosinsteuer belasteten einseitig die europäischen Netzwerkgesellschaften wie Air France und Lufthansa, klagt der Verband. Die starke Konkurrenz aus der Türkei und vom Golf werde bestenfalls für den kurzen Zubringerflug zur Kasse gebeten.

Die mögliche Folge: Umsteige-Fernflüge würden wegen der Kostenvorteile und ohne Rücksicht auf die Klimabilanz auf außereuropäische Drehkreuze verlagert. In Frankfurt, Amsterdam und Paris gingen Arbeitsplätze bei Fluggesellschaften wie Flughäfen verloren.

Von Lufthansa-Chef Carsten Spohr stammt das Bonmot, dass der letzte Liter Erdöl wahrscheinlich in einer Flugzeug-Turbine verbrannt werde. Zu hoch ist der Energiebedarf der schweren Jets beim Start, als dass bereits heute ausreichend Ersatz für die extrem energiedichten fossilen Brennstoffe existierte.

Zwar arbeiten weltweit Start-ups und etablierte Hersteller an zunächst hybriden und später auch vollelektrischen Flugzeugen. Airbus will 2035 das erste emissionsfreie, mit Wasserstoff betriebene Passagierflugzeug marktreif haben, doch auch zu diesem Zeitpunkt werden noch herkömmliche Flugzeuge mit 30 Jahren Betriebsdauer neu in den Dienst gestellt werden.

Bis auf Weiteres versprechen neben effizienteren Triebwerken lediglich alternative Brennstoffe eine CO2-Linderung für den Luftverkehr, beispielsweise aus Speiseresten gewonnenes Kerosin oder perspektivisch auch mit viel Grünstrom produzierte synthetische Kraftstoffe (Power to Liquid). Die EU will durchsetzen, dass auch die außereuropäischen Fluggesellschaften bei ihren Starts aus Europa den teureren Klima-Sprit tanken müssen, was nach Meinung der Industrie aber leicht umgangen werden könnte.

Innerhalb Europas wird es hingegen für alle Anbieter gleichmäßig teurer. "Die meisten Passagiere sind bereit, angemessene Ticketpreise zu bezahlen", meint dazu Marion Jungbluth, Verkehrsexpertin der Verbraucherzentrale Bundesverband. Die bisherigen Instrumente zum Emissionshandel seien weitgehend wirkungslos geblieben, so dass sie die schärferen Vorgaben begrüße. "Die EU-Anforderungen sind ambitioniert, aber auf der anderen Seite bekommt der Luftverkehr auch viel Unterstützung bei der Entwicklung neuer Technologien."

Allerdings seien im internationalen Luftverkehr Insellösungen nicht möglich, so dass darauf geachtet werden müsse, dass die eigentlichen Nutznießer nicht außereuropäische Airlines mit geringeren Klimaanforderungen würden. Und in Europa dürften die Fluggesellschaften nicht im Gegenzug zu Klimazugeständnissen die Fluggastrechte zurück abwickeln, warnt Jungbluth. Entsprechende Bestrebungen gebe es bereits.

Anti-Dumping-Regelung

Eine Angriffsfläche bot die Branche in Vor-Corona-Zeiten mit extrem billigen Tickets, mit denen eine vorher nicht vorhandene Nachfrage stimuliert wurde.

Ob der Wochenendtrip für 9,90 Euro in fremden Metropolen mit dem EU-Klimapaket der Vergangenheit angehört, glaubt BDL-Präsident Peter Gerber nicht: "Um solche Preise zu unterbinden, braucht es keine neuen wettbewerbsverzerrenden Steuern und Abgaben, sondern eine Anti-Dumping-Regelung auf europäischer Ebene. Flugtickets sollten nicht zu einem Preis unterhalb der anwendbaren Steuern, Zuschläge, Entgelte und Gebühren verkauft werden dürfen."

"Letztlich ist es dringend notwendig, dass Fliegen deutlich teurer wird", sagt Lars Watermann vom Flugrechtdienstleister EUflight. Die Nachfrage werde trotzdem da sein, nicht nur wegen des Nachholbedarfs nach der Corona-Krise. Er rechnet damit, dass es wegen der engen Flugpläne weiter viele Verspätungen, Ausfälle und kurzfristige Absagen gibt. "Es wäre daher nur logisch, dass der Flug auch erst bei Antritt bezahlt werden müsste."
© dpa-AFX | Abb.: Airbus | 17.07.2021 09:01

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Beitrag vom 18.07.2021 - 14:47 Uhr
Es stimmt einfach nicht, dass alles immer teurer wird. Kaufkraftbereinigt ist auch der Sprit 2021 nicht teurer als vor 10 oder 20 Jahren, nur die letzten Jahre war er historisch sehr billig. Flugreisen sind seit 20 Jahren aufgrund eines brutalen Wettbewerbs absurd billig, nicht nur zu Lasten des Klimas, sondern auch der Beschäftigten in der gesamten Luftverkehrsbranche.
EricM hat völlig recht: Wer weiter auf billigen Flugtickets beharrt, beutet nicht nur bereits jetzt die Hauptleidtragenden des Klimawandels aus, sondern vor allem auch zukünftige Generationen. Dies hat das (politisch sicher unverdächtige) Bundesverfassungsgericht nunmehr auch sehr deutlich gemacht.
Beitrag vom 17.07.2021 - 13:29 Uhr
Alles wird immer teurer, immer mehr reglementiert und sanktioniert... . Es sind indirekte Strafen dafür das man nicht in seiner Höhle am Lagerfeuer zu Hause bleibt.


Wie wäre es statt Sanktionen einfach mal technologische Alternativen zu fördern. Und mit Fördern meine ich nicht einen Euro hier und einen da, sondern mal richtig Gas geben? Synthetischer Treibstoff, aus der Luft gewonnen (wie es z.B. auch beim Starship von SpaceX gemacht werden soll) und das Problem wäre doch in einem Kreislauf technisch gelöst.

Was glauben Sie denn, warum fliegen teurer wird?
Wegen genau solcher Lösungen, die jetzt Hals über Kopf gefunden werden müssen, weil die Branche Jahrzehntelang einen brachialen Wachstumskurs auf dem Rücken billigster Preise hingelegt hat und dabei Innovation nur in homöopathischen Dosen hervorgebracht hat.


Aber nein, lieber den Bürger ausbeuten...


Aktuell soll ja der Fluggast als letztendlicher Verursacher mehr zahlen.
Ich habe daher eher den Eindruck, dass im Gegenteil Sie selbst den Bürger (= Steuerzahler) ausbeuten möchten, damit Sie Ihre Billigtickets behalten können.
Richtig?

Dieser Beitrag wurde am 17.07.2021 13:30 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 17.07.2021 - 13:14 Uhr
Was haben wir eigentlich für A*********r in der Politik? Ich meine die Politiker sind die gewählten Vertreter des Volkes um die Interessen der Bürger zu vertreten. Doch irgendwie arbeiten die gegen die eigene Bevölkerung. Der kleine Mann muss immer mehr für Strom, Wasser, Heizen und Miete (sämtliche Bauten werden aufgrund der ganzen Auflagen immer teurer und Aufwendiger) bezahlen. Von Spritkosten (langsam habe ich das Gefühl das die Mobilität der Bevölkerung nicht mehr gewollt ist) mal ganz zu schweigen. Nun auch noch höhere Flugpreise...

Alles wird immer teurer, immer mehr reglementiert und sanktioniert... . Es sind indirekte Strafen dafür das man nicht in seiner Höhle am Lagerfeuer zu Hause bleibt. Wie wäre es statt Sanktionen einfach mal technologische Alternativen zu fördern. Und mit Fördern meine ich nicht einen Euro hier und einen da, sondern mal richtig Gas geben? Synthetischer Treibstoff, aus der Luft gewonnen (wie es z.B. auch beim Starship von SpaceX gemacht werden soll) und das Problem wäre doch in einem Kreislauf technisch gelöst.

Aber nein, lieber den Bürger ausbeuten...

Ach ja und: Bei der Gesamt"klimabilanz" zwischen Bahn und Flugverkehr würde mich auch mal nicht nur der Energiebedarf für das Reisen, sondern auch für die Herstellung und Wartung bei der Bahn von A nach B interessieren, diese gewaltigen Flächen für Trassen - die es beim Fliegen nicht gibt - werden nämlich nicht berücksichtigt...


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