Condor-Zubringer
Älter als 7 Tage

Kartellamt sieht Marktmacht-Missbrauch durch Lufthansa

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Lufthansa Cityline CRJ-900LR, © Lufthansa

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FRANKFURT - Im Streit mit der Lufthansaum gekündigte Zulieferflüge erhält der Ferienflieger Condor Rückendeckung vom Bundeskartellamt. Nach einer vorläufigen Prüfung der Wettbewerbshüter missbraucht die Lufthansa ihre Marktmacht im Kampf um touristische Langstrecken-Passagiere.

Lufthansa hatte den langjährigen Pauschal-Vertrag über Zubringerflüge zu den Condor-Fernreisen im vergangenen November gekündigt. Umsteigeverbindungen mit einem Wechsel der Fluggesellschaft werden dadurch schwieriger buchbar. Condor reichte daraufhin Beschwerde beim Bundeskartellamt ein.

"Wir sind nach vorläufiger Prüfung der Auffassung, dass die Kündigung einen Missbrauch von Marktmacht darstellt", sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt auf Anfrage. "Es wäre natürlich zu begrüßen, wenn die Lufthansa den Vertrag mit der Condor nun doch weiter laufen lassen würde, wie dies einigen Presseberichten der vergangenen Tage zu entnehmen war", sagte Mundt.

Der Kranich-Konzern erklärte, er könne die Aussagen des Kartellamtes nicht kommentieren: "Uns liegt aktuell noch keine finale schriftliche Entscheidung des Bundeskartellamtes vor - auch läuft derzeit noch die Frist zur Stellungnahme."

Die Lufthansa zieht nach jüngsten Aussagen eines Sprechers in Erwägung, den Vertrag mit Condor vorerst weiterlaufen zu lassen. "Eine finale Entscheidung gibt es bisher nicht", hatte der Lufthansa-Sprecher gesagt. Mit Condor hat sich die Airline bislang nicht in Verbindung gesetzt, wie eine Sprecherin des Ferienfliegers auf Anfrage sagte.

Medienberichten zufolge hat auch EU-Kommission die negativen Auswirkungen der Vertragskündigung thematisiert und ist unter anderem deswegen in Berlin vorstellig geworden.


Dem Kartellamt zufolge nutzen durchschnittlich etwa 25 Prozent der Passagiere der Condor-Langstrecken einen Zubringerflug nach Frankfurt, um dort in eine Condor-Maschine umzusteigen. "Ohne diese Zubringerpassagiere kann die Langstrecke der Condor nach den bisherigen Ermittlungsergebnissen nicht wirtschaftlich betrieben werden", erklärten die Wettbewerbshüter.

"Nicht planbar"

Die Lufthansa hatte argumentiert, dass Condor trotz der Beendigung der Vereinbarung weiter Zubringerflüge bei Lufthansa buchen kann. Nach den vorläufigen Prüfungen des Bundeskartellamtes sind die Buchungsmöglichkeiten außerhalb der gekündigten Vereinbarung jedoch nicht ausreichend. "Condor kann damit nicht planbar und verbindlich kombinierte Flugverbindungen insbesondere gegenüber Reiseveranstaltern und Reisebüros anbieten."

Die Lufthansa kann bis zum 7. April 2021 dazu Stellung nehmen. Danach entscheidet das Bundeskartellamt darüber, ob einstweilige Maßnahmen erlassen werden.

Lufthansa will selbst stärker in das Touristikgeschäft einsteigen, dem nach der Corona-Krise eine schnellere Erholung zugetraut wird als den Geschäftsreisen. Das Unternehmen hat den neuen Betrieb "Eurowings Discover" gegründet, in dem die touristischen Flüge gebündelt werden sollen. Condor war früher selbst eine Lufthansa-Tochter und steht seit dem Untergang des Thomas-Cook-Konzerns mit Hilfe eines großen Staatskredits auf eigenen Füßen. Auch die Lufthansa wurde in der Corona-Krise vom Staat gerettet.

Condor hatte im Streit mit dem Kranich-Konzern zudem beim Gericht der Europäischen Union in Luxemburg Klage eingereicht. Der Ferienflieger will die EU-Auflagen für die staatlichen Milliardenhilfen an den Konkurrenten gerichtlich überprüfen lassen.
© dpa-AFX | Abb.: Lufthansa | 30.03.2021 11:12

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Beitrag vom 31.03.2021 - 08:27 Uhr

Und selbst wenn ist es nicht darstellbar (für keine Airline!), ein komplettes Zubringernetz aufzubauen, was sich LH in Jahrzehnten langsam aufgebaut hat. Damit würde jeder Konkurrent sofort kostentechnisch im Nachteil zur LH liegen, die wie die Bahn die Infrastruktur bereits besitzt und bezahlt hat.
Das ist der Punkt. Sie hat es sich selbst aufgebaut und bezahlt. Das war ihre Idee und Strategie. Kann man jetzt einen anderen dafür in die Pflicht nehmen, wenn man selbst eine andere Stragegie gefahren hat und diese als Ergebnis eine Abhängigkeit geschaffen hat?
Warum sollte die LH haften für den Anschlussflug. Sie bekommen wenig Geld für den kurzen Teil und haften für die ganze Strecke? Die Bahn haftet ja auch nicht, obwohl es Zug zum Flug Pakete gibt. Die Lokik entgeht mir.

Sie betrachten den abgehenden Verkehr, ich den ankommenden. Warum soll eine Condor dafür haften, dass die Passagiere den Condor-Flug verpassen, weil LH nicht pünktlich ist?
Warum sollte LH haften? Sie bietet einen Transport von A nach B. Was sie danach machen interessiert nicht, egal ob man Richtung DomRep weiterfliegt oder mit der S Bahn zur Oma fährt. Wenn jemand das in ein Gesamtprodukt einbaut dann ist das seine Entscheidung, mit allen Konsequenzen.
Wieso pervers teuer. Andere schaffen das auch, den Zubringer über AddOn Tarife zu gestalten. Scheint wohl zu gehen.

Was für ein Zufall, dass LH just genau dieselben Strecken bedient und damit zumindest einen Anreiz hat, die Preise ggü. Condor zugunsten von EW Discover so in die Höhe zu treiben, dass es für Condor viel schwerer wird, dagegen anzukommen.
So ist das im Leben und in der Wirtschaft. Das wollen Sie doch nicht ernsthaft in Frage stellen? Condor fliegt auch ex ZRH und Strecken die LH schon bediente und Condor erst später dazu kam. Condor verkauft ihre Kontingente ja auch im knallharten Wettbewerb gegen die Konkurrenz oder glauben Sie die machen alle ein Grillfest und man einigt sich beim Bierchen und alle haben sich lieb?
Ja, stimmt, volle Zustimmung. Diese Profis diskutieren gerade wie es weitergehen könnnte. Da scheint es Spielräume zu geben, wie der Vetrag in Zukunft ausgestaltet werden kann. So bleiben wird er wohl nicht. Vielleicht fliegt ja die Haftung raus, das hat mit der Marktmacht eher nichts zu tun ;-) Es wird weiterhin Zugang zu Kontingenten mit besonderen Preisen geben.

Da bleibt es sicherlich spannend. Zumindest dürfte dieser Weg besser für Condor sein, als das Agreement komplett zu verlieren.

Vielleicht haben die Profis ja genau das im Sinn gehabt. Vertrag nachverhandeln ging nicht, also streichen wir alles. Wohlwissend, dass es Probleme mit dem Kartellamt geben könnte. Jetzt verhandelt man, was muss bleiben, damit es sauber ist? Somit hat man eine Anpassung erreicht, mit der Chance dass es vielleicht doch durchgeht. Wer weiß das schon so genau ;-)

Das glaube ich kaum. Die LH hat nicht mit der Gegenwehr und der Reaktion aus Brüssel und Berlin gerechnet.
Diese Ansicht halte ich für, sorry, naiv. LHG hat spätestens seit dem AB/Niki Deal intensiven Kontakt mit dem Kartellamt und auch Fr. Vestager ist regelmäßig virtueller Gast in den internen Offen gesagt Veranstaltungen. Es gibt eine eigene Vision und Strategie Abteilung und jede gr. Maßnahme wird durchdekliniert. Die wissen genau was geht, was nicht und was vielleicht. Das ist tägliches Business. So etwas wird ja nicht ausgewürfelt.

Wir können ja mal spekulieren ;-)
LHG verschiebt, aufgrund der Analysen, Volumen in den Touristik Sektor. Wettbewerbsanalyse und Strategie wird gemacht, Entscheidung steht. Condor ist der wichtigste Wettbewerber, den gilt es zu stören. Schwachstellen werden identifiziert und Strategien dagegen entwickelt. Best Case man schneidet den Wettbewerb von günstigen Produktionskosten ab, Worst case, man ist erfolglos. Alles dazwischen ist ok, besser als Satus Quo zu behalten.
Condor ist mächtig angeschossen, schwache Marge und einen Schuldenberg. Neue Hilfen werden verhandelt. Das ist, ohne Investor, nur eine Frage der Zeit bis der Apfel fällt. LHG ist fein raus, alle Maßnahmen sind durch die EU und Kartellamt sanktioniert, Condor wurde offiziell geschützt. Hat aber nicht gereicht und die Regierung muss sich fragen lassen, warum man da Geld verbrannt hat. Dann kommt LHG als weißer Ritter um die Ecke, übernimmt, zu Discover Bedingungen, und rettet die ganzen Arbeitsplätze. Voilá.
Das Gejammere der Reisebürobranche ist Fassade. Sie hätten vor und nach TC und PGL die Chance gehabt hier einzusteigen. Sie wussten wohl warum nicht.

Schaun wir mal. Aktuell läuft ja noch die Argumentationsphase beim Kartellamt, es war ja auch nur eine vorläufige Stellungnahme und der Vertrag läuft auch nur vorerst weiter. Das Endziel, Nr 1 in der Touristik zu werden, ist ja noch in Sichtweite.

Dieser Beitrag wurde am 31.03.2021 08:44 Uhr bearbeitet.
Beitrag vom 31.03.2021 - 04:11 Uhr
Sie haben keinen Schimmer wer wie am Golf regiert?

Das ist mir bekannt, aber nochmal: was ist die Relevanz?

Haben sie doch aufgeworfen. Aber gut, wenn sie es gut finden, das die Scheichs mit ihren Pedro$ ohne orginäre Pax im Wettbewerb mit EU Unternehmen stehen...


Einer muss es ja tun bei dem Mist den sie verzapfen

Ja ne, ist klar.

Das sie das nicht sehen ist wirklich klar, sie sind weltfremd unterwegs.


Käse. Was ein Märchen. Die LH ist ein Unternehmen wie andere auch, Lobbyismus ja, aber sonst ist die LH im Vergleich zu anderen Luftfahrtunternehmen - siehe AF - KLM oder Airbus - absolut unpolitisch.

Genau, deshalb ist Spohr mit unserer Bundesmutti auch desöfteren mal nach China geflogen, um dort an Verhandlungen teilzunehmen, weil die LH absolut gar nicht politisch ist.

Fällt ihnen das lesen oder das verstehen schwer?
Was verstehen sie jetzt nicht am Vergleich zu AF-KLM mit jeweiliger Staatsbeteiligung, oder am Vergleich mit A und B?
Für ein int. Unternehmen ist das ein normaler Vorgang.


Hätte nicht gedacht, dass Sie so blauäugig sind.

Das blaue auge haben sie sich gerade verbal geholt. Sie sind auf dem holzweg.


Meine Güte, wird ihnen das nicht peinlich?
Was denken sie woher die LH Paxe kommen?

Ich verrate ihnen was, aus Deutschland.
Sie können ja mal schauen was der Pax anteil aus den jeweiligen Heimatstaaten bei Etihad, Qatar oder Emirates ist.

Kennen Sie den Paxanteil von LH? Die Paxe, die in FRA und MUC umsteigen, kommen aus ganz Europa.

Mit dem größten Anteil aus...tatata... DTL. Und Europa ist LH Heimatmarkt.
Das ist doch der Kern der EU.
oder wollen sie AA jetzt vorwerfen, das sie nicht nur Pax aus Texas oder Dallas fliegen?

Wieviele Pax zieht die LH denn vom Golf ab?
Genau, keine. Die paar Leute sind einfach nicht relevant.

Wer mit Staatsgeld den EU Markt aufmischen will, muss halt auch was anbieten. Was bieten die Emirate?


Da muss ich Sie einfach mal zitieren:

So einen undifferenzierten Schwachsinn von sich zu geben, das tut doch beim lesen weh.

Ja und sie haben es immer noch nocht verstanden.
Liegt es am Lesen oder am verstehen?

Die LH ist die Airline Deutschlands und fliegt hauptsächlich deutsche Paxe.
Was fliegen die ME3, mit Staatsgeld aufgebaut denn durch die Welt? Richtig, die Bürger andere Nationen.

Falsch, s.o.

Richtig, da gibt es nix zu diskutieren. Sie sind objektiv falsch.
 https://de.statista.com/statistik/daten/studie/30170/umfrage/verkehrserloese-der-lufthansa-nach-weltregionen/
65% aus EU, größte Gruppe: Deutsche.


Noch nicht mal die Angestellten sind aus dem Inland. Welcher Qatari muss auch arbeiten?

Vollkommen unerheblich.

In ihren Augen.
Also doch ein Problem mit dem verstehen.

Wer freien Marktzugang fordert für ME3 muss natürlich auch fordern das fairer Wettbewerb gilt. Und das nicht der Wettbewerb durch Pedro $ mit Staatsgeld verzerrt wird.
Das haben sie natürlich in ihrer Ursprungsforderung vergessen.
Beitrag vom 30.03.2021 - 21:14 Uhr
dass die Kündigung des Agreements nur dazu dient, um der Condor die Kosten in die Höhe zu treiben, weil EW Discover sonst gegen die kein Land sieht.
Und wenn es wirklich so wäre, dann wäre es in der Tat egal.


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