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Alitalia in Ed Bastians "Netz der Einflussnahme"

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Alitalia Airbus A319, © Flughafen Nürnberg

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ROM - Delta spinnt sich die Welt, wie sie ihr gefällt. CEO Ed Bastian nennt es "Network of Influence" und peilt mit strategischen Airline-Beteiligungen eine internationale Vorreiterrolle an. Alitalia könnte in dem Verbund das Nachsehen haben - die insolvente Airline sieht ihre Stärke in der Langstrecke.

Zehn Prozent will Delta zunächst in den italienischen Pleitegeier investieren - mit der Option auf Verdoppelung des Einsatzes, sofern die Umstrukturierung Alitalias gelingt und sich eine realistische Perspektive auf schwarze Zahlen auftut.

Zuletzt war die US-Airline in Südamerika einkaufen und hat 20 Prozent von LATAM erworben. Südamerika zählt zu Alitalias großen Hoffnungsträgern: seit die damalige Regierung sie 2017 unter die Obhut dreier Sonderverwalter stellte, hat sie insbesondere in Brasilien stark zugelegt.

Die Frage ist nun, welche Rolle Alitalias Langstrecke in Deltas Strategie spielt. Die US-Airline bekam eben von den Behörden ein schlagkräftiges Nordatlantik-Joint Venture mit Virgin Atlantic und Air France-KLM genehmigt - Alitalia soll Medienberichten zufolge Teil dieser Kooperation werden.

Dies ist jedoch einer der Punkte, an denen die Verhandlungen zwischen den potenziellen Rettern der Airline haken. Denn es stellt sich die Frage, welche Rolle Alitalia in einer solchen Konstellation spielen würde: die der Zubringerin für Nordamerika-Flüge über London oder die der Langstreckenairline mit eigenen Flügen ab Rom.

Um die Nordatlantik-Flüge herrscht bereits jetzt innerhalb des Joint Ventures heftige Konkurrenz. Delta-Piloten forderten jüngst ihren Anteil an den lukrativen Strecken - sie sehen sich gegenüber ihren schlechter bezahlten Virgin-Kollegen im Nachteil bei der Aufteilung.

Zugleich bemüht sich Virgin Atlantic um Slots in Manchester, die durch die Thomas Cook-Pleite frei geworden sind. Die will sie dann Medienberichten zufolge mit Delta teilen.

Das Management einer neuen Alitalia wird sich im Delta-Geflecht selbstbewusst positionieren müssen, um ihren Anteil an den gewinnbringenden Routen nach Südamerika zu verteidigen und auszubauen.

Überbrückungskredit neigt sich dem Ende entgegen

Ob es jedoch überhaupt so weit kommt, ist derzeit wieder einmal äußerst unklar. Wie italienische Medien berichten, sollen sich bis Ende des Jahres noch etwa 150 Millionen in der ehemals 900 Millionen umfassenden Übergangskasse befinden.

Im Januar muss Alitalia eben diese Summe an den Staat zurückbezahlen - theoretisch. Gegen einen weiteren staatlichen Kredit, über den bereits gemunkelt wird, dürften die europäischen Wettbewerbshüter Einspruch einlegen.

Bis zum 15. Oktober sollte sich die designierte Rettungsmannschaft aus staatlicher Bahngesellschaft FS, der Benetton-Familie, dem Finanzministerium und Delta auf einen gemeinsamen Plan einigen.

Einfach wird das nicht, auch wegen der divergierenden Beweggründe. Während es Ed Bastian um die Ausweitung seines "Netzes der Einflussnahme" geht scheint das Engagement bei Alitalia für die Benetton-Familie in erster Linie ein Druckmittel zu sein, mit dem sie bei der Regierung die Verlängerung ihrer Autobahn-Konzessionen erwirken will.

Unterdessen haben Alitalia-Piloten für den 9. Oktober einen Streik angekündigt. Denn da war ja noch was: 12.000 Arbeitsplätze, die seit drei Jahren auf der Kippe stehen.
© aero.de (boa) | Abb.: Masakatsu Ukon | 08.10.2019 06:03


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